Larapinta - Tagebuch: Meine erste echte Trekking-Tour ;-)



Lange hat´s gebraucht, doch zu unserer Entschuldigung, nicht Faulheit war der vorrangige Grund, sondern größtenteils die Unorganisiertheit australischer „Wegauszeichner“. Es gibt hier Broschüren und Prospekte über alles, jedes noch so kleine Dorf hat sich der Tourismuswelle angeschlossen und irgendetwas grandioses und einzigartiges aus ihrer Vergangenheit ausgegraben, notfalls wirbt man auch einfach damit, dass 400 km weiter ein bestimmtes Fossil gefunden wurde. Nur eins scheint hier ein ewiges Rätsel zu bleiben: Overnight-Tracks! Weder im Internet noch bei Visitor-Infomationen können einen dabei wirklich weiterhelfen, so erfuhren wir meist erst von Mehrtagestouren, wenn wir mit unserem kleinen Tagesrucksack vor Ort in einem Nationalpark waren und irgendeine versteckte Hinweistafel darüber Auskunft gab. In der Nähe von Margaret River dachten wir dann, es wäre soweit, der „Cape to Cape Trail“. Wir erfuhren bereits vorher davon und steuerten die nahe gelegenste Besucherinformation an. Die Auskunft hier beschränkte sich auf ein bemühtes: „Der Start ist ungefähr hier (ein Tippen auf die Karte) und das Ende hier (ein zweites Tippen auf die Karte).“ Auf die Fragen






wo wir unser Auto lassen können, wie wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den Startpunkt gelangen und vor allem wie wir nach gelaufener Strecke von 135 km wieder zurück zu unserem Auto gelangen, kam ein schuldbewusstes Schulterzucken, darüber hatte sich in WA noch niemand Gedanken macht. Und jeder wunderte sich warum die Tracks so selten genutzt wurden…

Doch dann in Alice Springs erfuhren wir wie unkompliziert es alles sein kann, Karte, Streckeninformationen und günstiger Abholservice in kürzester   
Zeit organisiert. Wir entschieden uns für die drei ersten Sektionen (von 12), d.h. 62 km von 223 km, die in drei bis sechs Tagen zu laufen sind. Da wir schon fast außerhalb der Saison waren und somit eine Durchschnittstemperatur von 35 Grad vorausgesagt wurde, bestellten wir den Pick-up sechs Tage später, morgens laufen, nachmittags Schatten suchen- das war der Plan.

Und dann ging es los. Wir liefen mit unserem Gepäck, Marc hatte gute 23 kg und ich knappe 17 (Fairness muss



sein;-)) bereits übermotiviert von unserem Campground zur Telegrafenstation dem Startpunkt des Larapinta. Unser Tagesabschnitt führte uns über einen Bergkamm mit großartiger Aussicht über einen Teil der West MacDonnell Range. Der Rucksack zeigte sich wenig begeistert und verdoppelte rein gefühlsmäßig kurzer Hand sein Gewicht. Am Wallaby Gap, unserem ersten Etappenziel brachen wir beide auf ein paar Bänken zusammen. Auch Marc, der seine Rucksäcke schon über diverse Orte der Welt geschleppt hatte, machte am ersten Tag auch nicht den fittesten Eindruck. Und Schulter und Hüftpartie wechselten langsam ihre Farbe ins bläuliche. Geschickter Weise warteten wir mit dem Zeltaufbau bis es Dunkel wurde und ein mehr als nasses Gewitter über uns vorbei zog. Und auch hier mussten wir wieder vom Australier hören: „Ganz ungewöhnlich für diese Jahreszeit.“ Gleiches hörten wir bei Regen und Stürmen in Kununurra, Broome, Karijini, Canarvon…

An jedem Morgen folgte das 3 Stufen-Programm des Schreckens: Aufstehen (Isomatten können nach Anstrengungen scheißenhart sein), Trekkingschuhe anziehen (und jeden morgen die gleiche Frage: „Meine Füße haben da wirklich mal reingepasst?“) und Rucksack aufsetzen (immer






schön auf die blauen Stellen, damit man weiß, dass man noch lebt;-)). Da die befürchtete Hitze ausblieb, und wir uns nachts über unsere für Nepal gedachten Schlafsäcke freuten, waren unsere Tagesabschnitte viel zu kurz gewählt, somit verliefen Tag 2-4 relativ unspektakulär, was man leider auch über die Streckenführung sagen musste. Die großen Highlights konnten auch mit Reisebussen angefahren werden, somit ging der Entdeckercharme etwas verloren und auch meine imaginäre Vision von hunderten glücklich springender Kängurus blieb weitestgehend aus, dafür glichen die wenigen Wasserlöcher auf der Strecke  einem Friedhof der Kuscheltiere, da alles mit Dingo- und Känguruskeletten voll lag.

Unsere vierte Nacht verweilten wir in einem vergleichsmäßigen Luxuscamp. Alle Schlaforte, die wir angesteuert hatten waren immer gut mit Wasser, Bänken und sogar Toilettenpapier ausgestattet, doch dieses Camp verfügte noch über eine komplette Überdachung, dass wir trotz Wind auf den Zeltaufbau verzichten konnten. Wir entschieden uns die nächsten beiden Etappen in einen Tag zu fassen und prompt waren sie da: 35 Grad. Die



Sektion 3 war auch für Marc eine der schwierigsten Abschnitte, die er bislang mit dem Gewicht auf dem Rücken absolviert hatte. Ein ständiges auf und ab über riesige Felsbrocken, durch kleine Schluchten mit Klettereinlagen, aber durch eine atemberaubende Landschaft, hier wurden wir für alles entschädigt. Als wir zwei Kilometer vor dem Ziel nach etlichen Anstiegen bereit waren, locker auszulaufen, wurden wir statt durch den Standley Chasm, noch einmal gut 50 Höhenmeter fast senkrecht hinaufgeschickt. Oben angekommen, mussten wir feststellen, dass alles umsonst war, es ging noch einmal komplett bergab, um am anderen Ende des Tales noch einmal den

gleichen Aufstieg zurückzulegen. Trotz meines angedrohten Streiks, ich würde einfach im Loch sitzen bleiben und mich erst wieder rühren, wenn Marc mit einem Eis vor mir steht, schafften wir nach guten sechs Stunden schmerzvollem, aber erfülltem Laufen das Ziel: Standley Chasm inklusive Kiosk. 

Fazit, trotz allem Jammern: Auf zum Overland Track oder was sich auf der Stecke sonst noch bietet!!!

(Sina)














Fakten :

Gesamtlänge des Tracks:

ca.223 km von Alice Springs bis Glen Helen Der Track ist unterteilt in 12 Sektionen und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade

Allgemeine Infos:

Auf den einzelnen Sektionen findet man teils eingerichtete Camps mit Plumpsklo, Wasserbehälter zum Auffüllen der Reserven, Schlafbänke und sogar teils BBQ und Kochplatten, für die man nichts zahlen muss. Das Wasser sollte abgekocht, gefiltert oder mit Tabletten behandelt werden, da es keine ausreichende Trinkwasserqualität hat.

Kartenmaterial/Info:

Das Visitor-Center in Alice Springs versorgt einen mit allen Infos und Karten zum Lara Pinta Track. Man kann dort ein Infopaket inklusiv Karten für ca. 45 Dollar erwerben oder lässt sich Karten für einzelne Sektionen für nur 0,60 Dollar kopieren. Da der Weg kein Rundweg ist, gibt es an unterschiedlichen Stellen Abholservice, der von Alice Springs aus organisiert werden kann. Zwei Tourveranstalter nehmen dann auf ihren Standardtouren die Wanderer mit zurück (kostenpflichtig). (z.B. Alice Wanderer oder Emu Tours) Oder man lässt sich umgekehrt zu einem Punkt rausfahren und geht zurück nach Alice Springs. Der Weg ist in beide Richtungen markiert. Auch ist es i.d.R. kein Problem an den touristischen Punkten der jeweiligen Sektion ein paar Leute zu finden, die nach Alice Springs zurück fahren und einen dann mitnehmen. Die Veranstalter machen auch so genannte Fooddrops, wenn man sein Essen nicht für die ganze Zeit mitschleppen will. Man kann dann praktisch ein Nahrungspaket zusammenstellen, was am vereinbarten Punkt hinterlassen wird.

Sonstiges:

Man kann den kompletten Track wohl in 13 Tagen meistern. Etwas länger macht die Sache aber gemütlicher. Vor allem ist auf ausreichend Trinkwasser zu achten. Je nach Sektion schleppt man 5 Liter pro Person und Tag. Ab Oktober wird es schon mächtig heiß. Ab November wird nicht mehr empfohlen den Track zu gehen.