Uluru Geschichten



Der Uluru gilt als heiliger Berg der Anangu Aborigines. Kuniya die Regenbogenschlange eines der mächtigsten Schöpferwesen hat sich letztlich im Berg manifestiert. Der Uluru ist mit den meisten Pfaden (Songlines) der Ahnenwesen verbunden und stellt so den Mittelpunkt dieser dar. Es gibt viele mythologisch wichtige Punkte rund um den Uluru. Viele der sich darum rankenden Geschichten dürfen jedoch nicht weitergegeben werden. Gleiches gilt für die ca. 36 Kilometer entfernten Olgas (Kata Tjuta). Dieser für Anangu Männer rituell bedeutende Punkt wird nicht weiter erklärt. Die Ahnengeschichten dürfen nur autorisierten Männern der Anangus nach einer Zeremonie weitergegeben werden. Da der Ayers Rock oder Uluru als Wahrzeichen Australiens, aber auch hinlänglich als Zeichen der Aborigine Kultur gilt, haben wir ihm hier diesen Platz eingeräumt.

Ob es um den Ayers Rock bzw. in Australien noch eine wirklich lebendige Aborigine Kultur gibt, ist unseres Erachtens jedoch fraglich. Man kann den heutigen Status dieser Kultur sicherlich sehr kontrovers diskutieren. Fakt ist, dass sie sicherlich in der Vergangenheit eine durchaus interessante, aber vor allem archaische (fast steinzeitliche) Kultur bis in die Neuzeit transferiert haben, die Beachtung verdient. In dieser teils so lebensfeindlichen Umwelt mit einfachsten Mitteln zu überleben, bedingt einer stark spezialisierten Lebensweise und einer perfekten Anpassung. Wir wollen Interessierten deshalb an dieser Stelle trotzdem die Traditionen und Geschichten weitergeben, um einen kleinen Einblick in die Denkweise dieser Kultur zu geben. (wir haben dies bereits auch schon an anderen Stellen unserer Berichte getan, die als wichtige Punkte dieser Kultur gelten und werden dies auch weiterhin tun).
Drei Geschichten an unterschiedlichen Orten des Uluru werden mit den Touristen geteilt, die hier im Text zu finden sind. Wir geben nur die Geschichten ohne Interpretation der Bedeutung weiter. Letztlich werden mit diesen Geschichten, geologische Formationen erklärt.
Weiterhin haben wir hier die korrekte Bedeutung des falsch übersetzten Begriffes Traumzeit, Dreamtime (Tjukurpa) aufgegriffen, da ebenfalls dieser Begriff im Westen unzertrennlich mit der Aborigine Kultur verbunden wird und meist falsche Assoziationen bewirkt.











 

Tjukurpa

(fälschlich übersetzt als die bekannte „Dreamtime“ oder „Traumzeit“)



Tjukurpa lehrt, dass am Anfang die Erde leer und ohne Form war. Tjukuritja (die Ahnenwesen) tauchten aus dieser Leere auf, verteilten sich breit über das Land und formten durch ihre Wanderung die Landschaft. Bäume, Berge und alle lebenden Kreaturen wurden durch die Tjukuritja auf ihren Wanderungen erschaffen und ein Teil ihres Geistes blieb darin zurück. Der Geist der Tjukuritja blieb ebenfalls in der Landschaft zurück.
Anangu sind die direkten Nachfahren der Tjukuritja. Durch Tjakurpa sind die Menschen mit ihrem Geburtsort und ihrem Land verbunden. Der Platz zu dem die Anangu gehören ist sehr wichtig für sie, da sie einen Teil ihres spirituellen Geistes damit teilen. Die Anangu sind verantwortlich für den Schutz und das Management ihres Landes. Durch Tjukurpa haben sie den richtigen Weg gelernt sich um das Land und all die anderen zu kümmern. Durch Tjukurpa sind sie ebenfalls mit vielen anderen Orten über Uluru und Kata Tjuta hinaus verbunden. Das Wissen über Tjukurpa tragen sie im Herzen und im Geiste. Durch das Erzählen der Geschichten, durch Lieder, Tänze, Malerei und Zeremonien wird Tjukurpa von einer auf die nächste Generation weitergegeben. Die Verantwortung einzelne Dinge aus der Tjukurpa zu lehren ist speziellen Personen vorbehalten. Sie haben die Verantwortung alles korrekt und an die richtigen Leute weiterzugeben. Dies garantiert, dass keine Einzelheiten der Reisen der Ahnenwesen verloren gehen. Die Verantwortung Tjukurpa weiterzugeben ist ebenfalls mit der Verbindung zum Land verbunden.
Wenn die Anangu älter werden ihnen mehr Wissen und bestimmte Fertigkeiten vermittelt. Sie nehmen ebenfalls eine größere Verantwortung für Tjukurpa und damit gleichzeitig für die Pflege des Landes auf sich. Die Großväter und Großmütter werden mit großem Respekt behandelt, da sie viel über Tjukurpa wissen. Durch ihre Lehren und ihre Weisheit bleibt die Kultur erhalten.
Das Land, welches Uluru umgibt ist bedeckt mit iwara (Wege), die durch die Ahnenwesen auf ihren Wanderungen gemacht wurden. Dieses Netzwerk von Wegen verbindet Uluru und Kata Tjuta mit vielen anderen Gebieten und Völkern.
Bei Kata Tjuta sind die Aktivitäten der Ahnenwesen so geheim, dass nicht einmal ihre Namen enthüllt werden dürfen. Kata Tjuta ist ein Platz für spezielle Zeremonien, die die Männer der Anangu zu bestimmten Zeiten ihres Lebens durchführen müssen.
Informationen zu Kata Tjuta werden nur eingeweihten Männern weitergegeben. Genau deswegen kann die Tjukurpa dieser großartigen Dome und Täler (Kata Tjuta) nicht mitgeteilt werden.
Anangu wissen, dass Tjukuritja in den roten Sandflächen, Wüstenbäumen, Wasserlöchern sowie in den Tieren zu finden ist. Wenn Anangu in die Landschaft blicken und all die lebenden Dinge sehen, haben sie den sichtbaren Beweis, dass Tjukuritja immer noch existieren.

„Wenn die Touristen kommen mit ihren Kameras nehmen sie von allem Bilder auf. Aber was haben sie davon? Ein anderes Foto, um es mit nach Hause zu nehmen, als Teil von Uluru. Er sollte ein anderes Objektiv verwenden – welches direkt in den Berg hineinschaut. Er würde keinen großen Felsen sehen, sondern verstehen, dass Kuniya (Schlange) von Anfang an im Felsen lebte. Er würde die Kamera daraufhin wegschmeißen“ (Anangu Mann)

Anmerkung:

Ich denke, fotografieren ist ebenfalls eine Kultur. Jedoch die des Reisenden, die genauso akzeptiert werden kann, wie man es von der Kultur der Anangu erwartet. Da Kameras eine Erfindung der Moderne sind, kann es sich bei der Aussage der Anangu, dass man damit einen Teil des Berges nimmt, nur um eine neuzeitliche Interpretation handeln. Wir akzeptieren diese Kultur, jedoch sehen wir in diesem Berg ein „Wunder der Natur“, dessen Schönheit wir eben durch ein Foto ehren. Hierzu sollte man noch erwähnen, dass sehr viele Bereiche des Uluru mit „Fotografieren verboten“ Schildern bestückt sind und eine hohe Geldstrafe darauf steht.















1. Geschichte: Kuniya


Die Kuniya Frau (Schlange) kam aus einem weit entfernten Bereich im Osten, um am Uluru ihre Kinder zur Welt zu bringen. Sie trug die Eier um den Hals gebunden wie eine Kette und legte sie zur Rast an der nordöstlichen Ecke des Ulurus, Kuniya Piti, ab. Dort ließ sie die Eier am Grund liegen. Kuniya nächtigte bei Taputji, einem anderen Platz am Uluru, und jagte in den nahen Sandhügeln. Immer wenn sie das Camp betrat oder verließ formte sie tiefe Furchen in den Fels. Diese Furchen sind noch heute erhalten. Eines Tages musste Kuniya all ihre physischen und magischen Kräfte sammeln, um den Tod ihre jungen Neffens zu rächen. Er war ebenso eine Kuniya und wurde auch Kuniyawati genannt.
Er hatte eine Gruppe Liru oder Giftschlangen, gegen sich aufgebracht, die sich nun rächen wollten und von südwesten annäherten. Die Liru sahen ihn am Fuß des Ulurus rasten, stüzten zu ihm und warfen ihre Speere. Viele Speere trafen das Antlitz des Felsens mit so einer Wucht, dass sie ihn durchbohrten und ein paar runde Löcher, die heute noch an der Westseite zu erkennen sind, hinterließen. Der Arme Kuniyawati, zahlenmäßig unterlegen, wich aus so viel er konnte, starb aber letztendlich doch. Als die Neuigkeiten vom Tod Kuniyawatis auf die andere Seite des Ulurus drangen und seine Tante sie aufnahm, überkam sie Gram und Wut.
Sie raste entlang des Fußes am Uluru zum Mutitjulu Wasserloch, wo sie sich mit einem der Liru Krieger konfrontiert sah, der ihren Gram und ihre Wut verspottete.
Kuniya begann einen Tanz von außerordentlicher Macht und Magie. Als sie sich auf den Liru Krieger zu bewegte, schaufelte sie Sand und verrieb diesen über ihren ganzen Körper. Ihre Wut war so groß, dass sie sich wie Gift ausbreitete und das Gebiet mit Gift durchtränkte. In einem furchterregenden Tanz nahm Kuniya ihren Wana, oder auch Grabstock, schlug auf den Kopf des Liru hart genug ein, dass Blut ausströmte. Aber ihre Wut war mittlerweile jenseit von Zurückhaltung und sie schlug weiter auf seinen Kopf ein. Er starb und legte seinen Schild nahe der so genannten „Hunters Cave“ nieder. Zeichen dieses schrecklichen Konflikts sind heute überall an den Felsen am Mutitjulu Wasserloch zu sehen. Kuniya selbst blieb als gewundene, schwarze Linie an der östlichen Wand.
Die Spuren vom Schlag sind zwei Tiefe Risse an der westlichen Wand. Lirus Schutzschild liegt dort wo es fiel, heute ein großer Felsblock.




 

 




 

2. Geschichte: Mala


Diese Geschichte spielt an dem Platz, wo heute auch die Aufstiegsroute auf den Uluru platziert ist. Die Anangu bitten Touristen, nicht auf den Uluru zu steigen. Ungeachtete ihres Wunsches steigen dennoch unzählige Touristen auf diesen Berg.

Die Mala Männer dekorierten einen Zeremonien Stab, the Ngaltawata. Eine Gruppe älterer Mala Männer begab sich dann im Zuge der Zeremonie auf den Aufstieg und platzierten diesen Stab an der höchsten Stelle des Uluru. Man kann diesen Ngaltawata noch heute auf Nordwestecke des Felsens als ein allein stehendes, gebogenen Felskissen erkennen.
Die Zeremonie hatte begonnen.
Die Frauen hatten mittlerweile genug Essen für jedermann gesammelt. Sie bereiteten und lagerten es in kleinen Höhlen bei Taputji, die an der Nordostseite Ulurus zutage treten.
Die Mala Frauen und die Njuma, kleine Kuchen, die sie fertigten sind als kleine Steine auf der Spitze Tiputjis sichtbar sind.
Nicht lange nachdem die Mala Männer ihre Zeremonie begonnen hatten, kam eine Einladung der Wintalyka Männer, der „Mulga Samen“ Männer aus dem Westen, ihrer Zeremonie beizuwohnen. Aber sobal eine Zeremonie begonnen wurde musste sie ohne Unterbrechung vollendet werden. Die Mala Männer mussten die Einladung ablehnen und ihre Absage erzürnte die Wintalyka Männer, die daraufhin mit mächtiger Magie ein teuflisches Monster namens Kurpany erzeugten. Kurpany wurde ausgesendet um Verwüstung und Zerstörung bei der Mala Zeremonie anzurichten. Die Mala Frauen die während der Nacht kampierten, hörten nicht wie sich das Monster näherte. Die „Eisvogel Frau“ die beim Ininti Wasserloch lebt, schrie gerade noch im richtigen Augenblick eine Warnung aus und die Frauen flohen in Richtung Malawati, dem Platz, wo die Männer die Zeremonie durchführten. Die Ankunft der Frauen unterbrach die Zeremonie und das Monster attackierte zwei Mala Männer und verschlang sie. In großer Angst und Verwirrung flohen die Männer und Frau hunderte Kilometer nach Süden, mit dem Monster im Rücken.
Am Ininti Wasserloch hält Luunpa immer noch Wache, mittlerweile ist sie jedoch ein großer Felsen. Direkt über ihr kann man noch die tief in den Felsen ragenden Spuren von Kurpany sehen.







 

3. Geschichte: Lungkata


Als Lungkata in Richtung Uluru wanderte, verbrannte er das Land und begann somit das traditionelle Feuer-Management.
Am Uluru campte Lungkata in einer Höhle hoch am westlichen Antlitz des Berges, schaute in die Richtung, wo sich heute das Kulturcenter befindet. Er jagte am südlichen Fuße des Berges, wo er ein verwundetes Emu entdeckte, in dem immer noch der Speer einer anderen Jagd steckte. Lungkata wusste, dass der verwundete Vogel anderen Jägern gehörte und es falsch sein würde, dass jemand anders das Emu tötete und aß. Jedoch war es genau das, was er tat. Lungkata begann es aufzuschneiden und zu kochen.
Die beiden Jäger, die ursprünglich das Emu verwundeten waren jedoch nicht weit entfernt. Sie sahen Rauch vom Feuer Lungkatas aufsteigen, kamen zu ihm und fragten, ob er den Vogel gesehen hätte. Er versteckte die Fleischstücke hinter sich, log und erzählte, er hätte gar nichts gesehen. Enttäuscht zogen sie ab, aber als sie die Spuren des Emus zurück verfolgten, dämmerte ihnen, was geschehen war. In der Zwischenzeit sammelte Lungkata auf, was er vom Vogel tragen konnte und rannte westwärts zu seinem permanenten Camp, Fleischstücke hinter sich verlierend. Man kann Stücke des Oberschenkels immer noch bei Kalaya Tjunta sehen. So war es nicht schwierig für die beiden Jäger dem Pfad zu folgen und sie holten Lungkata ein. Sie machten ein großes, vernichtendes Feuer und der großen, lahmen Echse (Lungkata) als er zu seinem Camp aufstieg. Lungkata, der gierige und unehrliche Dieb erstickte am Rauch und wurden von den Flammen verbrannt.
Er rollte hinunter und hinterließ Streifen von seinem verbrannten Fleisch, die am Felsen kleben blieben. Als sich das Fleisch mit und mit am Felsen abtrug, wurde Lungkata kleiner und kleiner bis nur noch ein einsamer Stein von ihm übrig blieb.
Der Rauch und die Asche vom Feuer sind immer noch als Schandfleck am den steilen Hängen des Uluru über Lungkatas Körper zu sehen.
Lungkata erinnert uns daran, was mit den gierigen und unehrlichen passiert. (Marc)