Die olivefarbene Bastard Schildkröte
Manchmal denke ich Anglizismen haben ihre Berechtigung. Die Überschrift hört sich an, wie der Titel eines Bio-Leistungskurs Referats. Wie wäre es an der Stelle einfach mit Olive Ridley Turtle. Ich finde, das klingt um einiges besser.



Was verschlägt einen Reisenden in Nicaragua an die Pazifikstrände von San Juan del Sur. Die Strände an sich mit Sicherheit nicht, obwohl sie zugegebenermassen auch nicht so schlecht sind. Allerdings haben sie dunklen Sand und dunkler Sand, das kann auch keine Palme wieder gut machen, hat für mich nichts mit einem Traumstrand zu tun. Aber es gibt ein gutes anderes Argument, denn für einige Schildkröten Arten, eben auch für diese Olive Ridley, zählen die Strände zu den Traumstränden; für ihre Eiablage. Der Sand heizt sich angenehm auf und brütet die Eierchen fein aus und der Sand hat genau die richtige Konsistenz, damit die kleinen Racker munter an die Oberfläche paddeln können und ihren Weg dann mehr schlecht als recht zielstrebig zum Wasser antreten können. Jede Schildkröte, die es zur Eiablage bis hierher schafft ist schon ein Held für sich, denn vor allem ist sie schon einmal eine von tausenden Überlebenden, die es überhaupt bis zu dieser Reife schaffen.



Der einzige Nachtteil an dieser ganzen Eiablagesache ist, die Schildkröten, also die Olive Ridleys, kommen nachts an den Strand. Mit einer Biologin bewaffnet, ohne Führer sind die Ausflüge zu Recht verboten, geht es also nachts an den abgelegenen Strand und nach gar nicht allzu langer Wartezeit schleppen sich die ersten Olive Ridley auch schon an den Strand, fangen an mühevoll ihr Nest auszugraben und legen dann 100 Eier die exakt an Tischtennisbälle erinnern. Danach wird das Nest zugeschaufelt und mit dem Panzer der Sand wieder platt gewalzt. 2 Mal beobachten wir das Schauspiel. Zur Überraschung liegt auf der Rückfahrt ein Baum über der Schotterstraße, der hier wie von Geisterhand oder aus Altersschwäche umgekippt sein muss. Kein Regen, kein Wind, warum dieser Baum dort liegt, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Einen Hinterhalt vermutend blicken wir einmal zurück in die Dunkelheit, als im Scheinwerferlicht des Geländewagens plötzlich ein paar Gestalten mit Macheten bewaffnet auftauchen und sich kurzerhand daran machen, den Baum in kleine Stücke zu hauen.



Die Nacht wird lang und wir schlafen am nächsten Morgen aus, kommen schlecht in die Gänge und wissen für den heutigen Tag gar nicht so recht, was wir machen sollen. Nach einem sehr gemütlichen Frühstück fängt es leicht an zu regnen und wir wissen noch nicht ganz ob wir sauer oder glücklich sein sollen, dass uns die Entschiedung abgenommen wird. Wir gehen Richtung Unterkunft, der Regen wird stärker und unsere Ausrede ist perfekt. Internettag. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass dies der Beginn einer gut dreiwöchigen, wundervollen Freundschaft zwischen uns und der Regenzeit war.

Nächstes Ziel ist Ometepe. Die weltgrößte Insel in einem Süßwassersee dem Lake Nicaragua, deren zwei Vulkane hoch in den Himmel ragen…erzählt man uns, denn sehen können wir sie nicht. Regenfront mit etwas Nebel in den unteren Schichten.



Wir fahren in das kleine Dorf Merida und warten den Nachmittag untätig ab und schauen dem Regen zu. Für den nächsten Tag haben wir eine Reittour geplant, aber es kommt anders als wir dachten. Denn wir warten den Tag ab und schauen dem Regen zu. Am nächsten Tag haben wir Glück, es regnet nicht ganz so stark und wir können unsere Reittour starten. Leider wussten wir nicht, dass die Tour gut 38 Kilometer lang ist und gut 7 Stunden gedauert hat. Wer das Reiten nicht gewöhnt ist und schon mal geritten ist, weiß eventuell wovon ich spreche. Am nächsten Tag kurieren wir erst mal aus, es regnet sowieso, genau wie am übernächsten und überübernächsten. Unsere geplante Bergbestiegung fällt damit sprichwörtlich ins Wasser und nur bei kleinen Spaziergängen auf ein paar Wegen, erahnen wir. Was die Insel mit ihrer üppigen Vegetation noch so alles an Überraschungen bereit hält. Auf der Schifffahrt zurück ans Festland blicken wir noch einmal auf die Vulkane zurück, oder in die Richtung wo sie sich aufhalten sollen, denn sehen können wir sie wieder nicht. Wir winken Nicaragua zum Abschied und machen uns auf nach Penas Blancas, dem Grenzübergang ins verregnete Costa Rica. (Marc)