Farbenfroher Wahlkampf
„Bitte meiden Sie politische Großveranstaltungen“. Dieser nett gemeinte Sicherheitshinweis auf offiziellen Seiten soll uns nun für ein paar Tage in den Köpfen hängen. Als wir zum zweiten Mal unseren Fuß in guatemalasches Land setzen, strahlen sie uns wieder entgegen: Abermillionen von Wahlplakaten. Schon auf unserer ersten Runde haben uns die unzähligen, grinsenden Gruselgesichter wie in einem Stephen King Film verfolgt, bei unserem Wiedereintritt aus dem Norden nach vierwöchiger Abwesendheit scheinen sich die Abbildungen fruchtbar vermehrt zu haben.






Quetzaltenango oder auch einfacher Xela genannt ist eine kleine Stadt im Hochland Guatemalas. Der Reiseführer beschreibt es als eine Art „spanische Kolonialzeit trifft auf germanische Gotik“, die Wahrheit fühlt sich ein wenig unspektakulärer an, doch der Ort hat trotz Dauerregens irgendetwas Angenehmes. Wir sind an einem Wochenende da 8 Tage vor den Wahlen und die einzelnen Parteien haben zum Endspurt aufgerufen. Mitten auf dem Zentralplatz ist eine große Bühne aufgebaut und über den Tag verteilt wechseln die Farben der Anhänger von knallrot nach blau-weiß. Wir können uns das Grinsen nicht ganz verkneifen, wenn wir die nachkommen der Mayas in ihren traditionellen Trachten sehen mit einer modernen Wahlkampfsportjacke übergeworfen. Alles macht einen friedlichen Eindruck, doch selbst wenn wir den offiziellen Ratschlag hätten beherzigen wollen – keine Chance, ganz Guatemala ist eine einige politische Großveranstaltung zu dieser Zeit.






Wir bleiben Im Hochland, doch es geht weiter Richtung Süden. Largo Atitlan (Atitlansee) knapp 50 km Luftlinie, jedoch drei halsbrecherische Fahrstunden entfernt. Auch nach all der ganzen Zeit in den Bussen dieser Welt gibt es immer noch Fahrten, bei denen ich Marc schon mal vorsorglich für die schöne gemeinsame Zeit danke – nur um auf Nummer Sicher zu gehen. Diese Fahrt gehört mal wieder dazu. Es ist nicht immer das sicherste Gefühl zu wissen, dass es dem Fahrer rein altersmäßig bei uns noch nicht einmal erlaubt wäre einen Roller zu fahren, aber mangels Wahlmöglichkeiten verschließe ich an den Serpentinenabhängen einfach ein paar mal häufiger die Augen – was ich nicht sehe, existiert auch nicht. Um den See verteilt liegen kleine Dörfer mit unterschiedlichem Schwerpunkt: Yoga, Tauchen, Party … etc., so auf jeden Fall die inoffizielle Beschreibung. Wir entscheiden uns wegen der zentralen Lage für den „Partyort“. Jedoch müssen wir zugeben, dass es schwer gewesen wäre dieses Motto für uns zu erfüllen, da eigentlich kaum ein Anderer außer uns zu sehen war.






Wir bleiben zwei Tage und drei Nächte in San Pedro bis wir die Schnauze voll haben vom strömenden Regen, der uns ans Zimmer fesselt. Nur den ersten Morgen nutzen wir das Regenfenster, um mit einem kleinen Boot eine Stunde nach Santiago de Atitlan überzusetzen. Santiago ist überlaufen von Souvenirständen. Durch die geringe „Opferzahl“ sind wir als Gringos einem andauernden „Adelante“ ein scheinbar multifunktionales Wort für „Kommt herein“, „Geradeaus“, „Kommt näher“ und bestimmt noch hundert anderen Bedeutungen ausgeliefert.

Eine weltweit beliebte Art des Schnorrens ist es Bleichgesichter nach Münzen ihrer eigenen Währung zu fragen, sozusagen als exotisches Souvenir, und es beim nächsten wieder in die Landeswährung umzutauschen. Eine etwas ältere Mayafrau nähert sich mit einer handvoll amerikanischer Cents und einem Quarter, wir erklären ihr den Gegenwert in guatemalesischen Quetzales und sehen zu, wie der vermeintliche Lottogewinn an der Realität zerbricht. Doch sie möchte sich die zwei Quetzals doch nicht entgehen lassen und bietet uns ihre Münzen zum Tausch an. Als wir ihr erklären, dass wir Deutsche sind und sie US Dollar hat, schaut sie uns nur ungläubig an: „Aber ihr seid doch Gringos, habt ihr nicht alle das gleiche Geld???“ (Sina)