Die zwei Augen Mexikos
Nach Caye Caulker dachte ich eigentlich, es könnte nicht viel besser werden. Ich war schon auf eine kurze Reisedepression eingestellt, als mich der Luxusbus hinter der mexikanischen Grenze ein wenig besänftigt. Weiche Sitze, gediegenes Tempo und unsere Fußspitzen können kaum die Rückenlehne des Vordermanns berühren, innerlich erhebe ich mein Glas, um auf unser neu gewonnenes Luxusleben anzustoßen. Doch unser Höhenflug wird wieder etwas ins rechte Licht gerückt als wir in Tulum ankommen und in unsere gebuchte, kleine, liebevolle Gartenlaube einquartiert werden. Zwei Quesadillas und einen Burrito Gigante später fallen uns die Augen zu. Noch eine Nacht Rast bis wir in Mexiko wirklich durchstarten.

In Tulum fällt es auch nicht sonderlich schwer durchzustarten. Wir fangen an mit den hiesigen Ruinen gleich am Strand. Für gerade mal schlappe 3 Euro Eintritt gibt es waschechte Mayaruinen. Vielleicht nicht gerade die Mächtigsten und Ausgefallensten, dafür hatten diese aber wohl den türkisesten Hintergrund im alten Reich, denn das Meer vor Tulum leuchtet dermaßen, dass es schon fast in den Augen brennt. Ein Indiz, dass wir uns mittlerweile an einem offiziell „westlich“ orientierten Land aufhalten: Unmengen an herum streunenden Iguanas, woanders wären die auch gerne mal mit nem Spieß übers Feuer gehangen.




Am nächsten Tag steht nicht nur ein Megahighlight von Mexiko an, sondern gleich ein, ich möchte mal sagen Top 10 Highlight unserer Reise – Tauchen in den „Dos Ojos“ (zwei Augen). Auch wenn noch lange nicht alles erforscht ist, hat Mexiko wohl das größte zusammenhängende Unterwasserhöhlensystem der Welt. Hin und wieder stürzt hier und da ein Dach ein und es entsteht zur Freude aller ein Cenote, was soviel ist wie ein natürlicher Frischwasserpool im Inland und gleichzeitig auch noch ein super Einstieg zu den Höhlenkanälen. Auch wenn die Vorstellung eine knappe Stunde nur mit einer Taschenlampe durch dunkle Höhlen zu Tauchen in der Theorie nicht für jeden attraktiv wirkt, die Praxis ist noch um einiges umwerfender als nur atemberaubend: Schmale Gänge, breite Kammern, überall Stalagmiten und Stalaktiten, kristallklares Wasser, in dem die Reflexionen des spärlichen natürlichen Lichtes tanzen. Selbst die Tatsache auf den ersten 5 Metern unsere Unterwasserkamera verloren zu haben (also leider keine Fotos), betrübt das Erlebnis nicht für eine Sekunde. Die zweite Runde führt uns durch noch etwas dunklere Gänge und Kammern. In einer dieser Kammern knien wir uns hin und knipsen unsere Lampen aus, nichts außer Schwärze und das Geräusch des eigenen Atmens im Regulator. Als wir die anderen Cenotes im Tauchkatalog sehen, kommt bei uns beiden heimlich die Idee auf, den Rest der Reise zu canceln und einfach unser restliches Geld in den Höhlensystemen zu verprassen. Das wir und schließlich „Pro-Reisen“ entschlossen haben, lag wahrscheinlich nur daran, dass es keiner von uns getraut hat auszusprechen.



Den letzten Tag in Tulum verbringen wir dann doch nur kostenarm mit ein paar Quesadillas am Strand. Nach gut drei Jahren auf Wanderschaft haben wir uns mittlerweile zu verwöhnten Strandexperten entwickelt, umso schöner ist es nach über 40 Monaten einen neuen Spitzenreiter in der Kategorie „einfach zugängliche Strände“ zu küren.

Nächste Station für uns ist das legendäre Cancun, eine Megatouristenmetropole, das sich auch ohne Bedenken als Filmkulisse für Miami Vice bewerben könnte. Abgesehen von unserer wieder einmal unglaublich netten Gastgeberin (via Couchsurfing), haut uns die unpersönliche Stadt nicht so vom Hocker. Trotzdem haut uns auch hier der Strand um und das Wasser scheint hier sogar noch ein wenig mehr zu funkeln als in Tulum – unglaublich. (Sina)