…because it is better.
Von Lhasa geht es tiefer in den Religions- und Naturfreizeitpark Chinas. Unser erstes Ziel ist der Yamdrok Lake. Einer der vier heiligen Seen Tibets.

Leider reicht es für diese Sehenswürdigkeit nicht aus, das Haupteintrittsticket nach Tibet, das offizielle Permit in den Händen zu halten, der Chinese kassiert noch mal gesondert, um sein Bruttosozialprodukt zu steigern. 40 Yuan oder gut 4 Euro pro Person um am See entlang zu fahren. Eintritt für einen See, der da einfach so friedlich in den Bergen vor sich hin schlummert und keinem was tut.

Unser Guide, ein Tibeter, ist glücklicherweise antichinesisch eingestellt und hat seinen persönlichen Kampf angesagt. „Wir kaufen kein Eintrittsticket“! Kurz nach Ende des Sees, wo das Ticket kontrolliert wird, gibt er unserem Fahrer das Kommando -Gas geben-. Ein Posten, der versucht uns mit Kelle anzuhalten, um das Ticket zu checken, wird mit Tempo 60 erfolgreich bei Seite gehupt.

Die Seitenfenster unseres Wagens werden zum Kino. Durch atemberaubende Landschaften fahren wir unserem Zwischenziel Gyantse entgegen und besuchen dort das Pelkhor Chöde Kloster, welches mit neun Stufen übereinander die größte Stupa Tibets beherbergt. Das Kloster ist alt und seine Mystik kommt in Versammlungshalle voll zur Geltung.




Sina wirft heilige Gebetszettel. Wofür es gut ist? Wissen wir nicht, aber die liegen da überall.

Die Wände sind dunkel, verraucht und teilweise blitzen noch alte, verblasste Malereien hervor. Ebenso dunkle Gänge verschwinden rechts und links vom Altar irgendwohin. Die Mönche rezitieren Sutren und murmeln eintönig vor sich hin, erfüllen den Raum mit Vibration. Wüsste man es nicht genauer, würde man sich fast in einer Filmszene von Indiana Jones vermuten. Leider drängt die Zeit und ebenso unser Guide. Es liegt noch eine längere Fahrtstrecke bis Shigatse vor uns. Die Zeit reicht noch für einen Blick vom Dach der hohen Stupa und schon sitzen wir wieder im kleinen Van, der uns durchs heilige Land fährt.

Abends in Shigatse ist schon ein nettes Zimmer bei einer befreundeten Familie des Guides reserviert. Mit Vorliebe hängt Phuntsok unser Führer an seine Sätze „…because it´s better“ an, warum es aber besser ist, lässt er meist im Dunkeln.

Der nächste Tag ist der große Tag und eines der Highlights von Tibet. Die Fahrt zum Mount Everest Basecamp. Die Fahrt ist lang und führt vor allem über eine lange Schotterpiste. Warum wir genau an diesem Tag erst gegen 8.30 Uhr aufbrechen, bleibt unserer kleinen Gruppe schleierhaft…because it´s better?

Wir sehen es praktisch schon eher kommen als unser Guide, der diese Strecke schon mehrfach absolviert hat. Besonders viel Zeit wird uns am Basecamp nicht mehr bleiben, um den Anblick des höchsten Berges unseres Planeten zu genießen. Schon lange vorab können wir Qomalongma, so der tibetische Namen, zwischen anderen Eisriesen wie Cho Oyu, Makalu, Shishapangma oder Lhotse ausmachen. 5 Achttausender in einer Panoramaansicht. Den größten von allen identifiziert Phuntsok gekonnt und ohne Ironie „Das ist übrigens der Berg von dem Basecamp“.




Die berühmte neunstufige Stupa


Nebenbei gesagt, kassiert die chinesische Regierung gut 20 Euro pro Person für das Schutzgebiet von dem Basecamp mit dem Berg, plus noch einmal 40 Euro für das Auto. Der geneigte Leser könnte nun vermuten, dass das Geld sinnvoll für den Schutz der Natur dort eingesetzt wird. Weit gefehlt. Dort wird nicht besonders viel geschützt und vermutlich fließt das Geld direkt in den Fond zur Aufstockung des chinesischen Militärs in Tibet.

Phuntsok hat wieder eine Idee. Einer von uns oder zwei könnten sich im Kofferraum verstecken, damit wir nicht so viele Tickets kaufen müssen. Wir halten seine Idee zwar für revolutionär, als aber nach unserer Frage, was mit den Kontrollen sei, auch seine Zuversicht zunehmend schwindet, streiken wir bei seinem Plan. Wer möchte schon gerne von chinesischen Militärposten im Kofferraumversteck beim Betrugsversuch erwischt werden? Lange Rede, kurzer Sinn es kommt wie vermutet und knapp eine Stunde vor Sonnenuntergang trudeln wir am Basecamp ein. Uns bleibt nur noch der „Shuttlebus“ zum Aussichtspunkt, gegen den wir uns eigentlich den ganzen Tag gewehrt hatten. Vermutlich hat aber genau darauf unser pummeliger Führer spekuliert, um nicht noch zu Fuß dort hochzugehen…because it´s better!

Und obwohl wir schon auf über 5150 Meter sind, ist der Weg zum Gipfel noch wirklich weit. Es muss eine unglaubliche Leistung und Anstrengung sein, den Gipfelerfolg zu verbuchen. Auf jeden Fall für die, die ohne künstlichen Sauerstoff hochgehen. Wir merken schon am Aussichtshügel, dass die Luft spürbar knapp wird.




Der Berg, der zum Basecamp gehört

Wir teilen uns den Hügel übrigens mit einigen chinesischen Touristen, die fast besser ausgerüstet als Gipfelstürmer mit ihren GoreTex Jacken, Gamaschen und Gletscherbrillen vorm Everest in allen möglichen und unmöglichen Lagen posieren, ohne aber ihr geliebtes Victoryzeichen und dämliches Kichergrinsen zu vergessen.

Wir genießen den majestätischen Anblick, die letzten Minuten vor dem Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen geht es die gleiche Strecke wieder zurück, die wir nun viel schneller zurücklegen als am Tag zuvor?!? Wir treffen wieder auf den Friendshiphighway (bei den Chinesen heißt übrigens alles, was es mit anderen Ländern verbindet „Friendship“, ob Brücke oder Highway. Die einen nennen es Friendship, die anderen nur eine Frage der Zeit, bis man mit der Plünderung natürlicher oder kultureller Ressourcen beginnt) der uns zur letzten Station der Grenzstadt Zhangmu führt. Spät am Abend treffen wir dort ein.

Die Landschaftsveränderung ist dramatisch. Noch vor kurzen waren wir auf dem ariden Hochplateau Tibets und nun befinden wir uns schon im humiden Tropenklima mit üppiger Vegetation.

Unser Reisebuch beschreibt die Stadt als frenetische, üppige, an den Hängen des Tales klebende Stadt, in der es überall nach Curry duftet. Ein Fest für die Sinne.

Zur Begrüßung kommt, als wir gerade im Ende eines unglaublichen Staus stehen, eine Mutter mit ihrem Kind aus dem Laden und lässt es fast auf den Bürgersteig vor unsere Füße kacken. Die Stadt ist versifft, an jeder Ecke gibt es einen rot erleuchteten Massagesalon, das Hotelzimmer ist überteuert, modrig und schimmelig.

Eine viel zu kurze Reise geht hier zu Ende. Die Eindrücke von Tibet sind umwerfend. Selbst ein Nichtgläubiger gerät beim Anblick der Klöster, Pilger und Mönche noch mal ans Grübeln. Es ist ein Jammer, dass die gewaltsame Besetzung Tibets von China international geduldet wurde und wird. Ich hoffe, es wird der Tag kommen, wo Gerechtigkeit das chinesische Regime wieder dort hintreibt, wo es hingehört, nämlich ganz bestimmt nicht nach Tibet…because it´s better. (Marc)



Gebetsfahnen überall…wirklich überall.


Schweine im heiligen Land (Interpretation gewünscht)