Mongolei – Trekking im Terelj Nationalpark


Facts


Über den Terelj:

Die Mongolei ist nicht unbedingt ein Land für unabhängige Hiker. Findet man meist weder normale Straßen noch Wegweiser, so findet man erst recht keine offiziellen Trekkingwege, wie man es vielleicht aus anderen Ländern gewohnt ist. Ein bisschen Entdeckerlust und Trekkingerfahrung gehört somit genauso ins Gepäck wie eine Karte und ein Kompass, ggf. sogar ein GPS Gerät. Für erste Erkundungen bietet sich der Terelj Nationalpark unweit von Ulan Bator an. Ein abwechslungsreiche Landschaft, die dem Wanderer praktisch direkt das Gefühl von „Typisch Mongolisch“ gibt.


Anreise:

Als Ausgangspunkt ist Ulan Bator, die Hauptstadt der Mongolei, zu empfehlen.


Wie kommt man zum Weganfang:

Von der Peace Avenue direkt in Ulan Bator (UB) fahren zweimal täglich (11.00 Uhr und 12.00 Uhr) Linienbusse in den rund 50 Kilometer entfernten Nationalpark.

Wie kommt man vom Wegende zurück:

Hier gilt das Gleiche. Linienbusse verkehren zwischen Terelj und UB. Am besten vor Ort erkundigen, wann die Busse zurück fahren. Dies ändert sich schon einmal. Am Straßenrand halten manchmal jedoch beliebige Fahrzeuge, die einen gegen etwas Geld zurück nach UB mitnehmen,


Kartenmaterial:

Karten über das Nationalparkgebiet findet man in Ulan Bator im Besuchercenter oder in Trekkingausrüstungsläden. Es gibt sowohl eine so genannte Tourist Map im Maßstab 1:100000 als auch eine topografische Satellitenkarte. Wir haben die erst genannte Karte genutzt. Weiterhin ist unbedingt ein Kompass zu empfehlen, da es keine markierten Wanderwege gibt.


Übernachtung:

Direkt an der Hauptstrasse im Terelj Nationalpark finden sich viele Gercamps. Ebenso trifft man im Park oft auf Gers diverser Familien bei denen unter Umständen eine Übernachtung gegen Bezahlung möglich ist. Ein Zelt gehört dennoch ins Gepäck und stellt die unabhängigste Möglichkeit der Übernachtung im Park dar.


Gebühren:

Angeblich kostet der Park eine gewisse Gebühr. Wir haben jedoch keine Stelle entdeckt, an der diese zu entrichten wäre. Auch wurde nichts kontrolliert.

Verpflegung:

Muss leider getragen werden. Im Dorf und in den Gercamps erhält man Essen bzw. Grundnahrungsmittel, die aber nicht unbedingt zum Trekking geeignet sind. Man sollte aber bereits von zu Hause oder aber von Ulan Bator für die geplante Anzahl von Tagen sein Essen dabei haben. Im State Department Store Supermarkt findet man eine gute Auswahl an Lebensmitteln.


Wegbeschaffenheit:
Von einfachen Allradpisten, über Tierwechselpfade, Trampelpfade und weglosem Gelände findet man alles vor. Je nachdem wie man seine Tour plant.



Markierung:

Es gibt keine vorgegebenen Wege und keine Markierungen. Der Park ist jedoch von unterschiedlichsten Pfaden durch zogen. Man kann mit Karte somit seine eigene Route planen und Auffanglinien als Sicherheit einbauen. Die Orientierung im Park ist nicht allzu schwierig, wenn man die Orientierung mit Kompass beherrscht.


Highlights am Weg:

Die Wege führen im Norden durch typisch, mongolische Graslandschaften. Überall trifft man auf kleine Gers. Im Süden gibt es schroffere Felsen. Der Schildkrötenfelsen oder auch Melhiy Hat ist ein bekannter Besuchspunkt.



Es kann losgehen: Zwei Stunden dauert die Fahrt im klapprigen Linienbus von Ulan Bator bis ins Dorf Terelj. Am besten steigt man am UB 2 Guesthouse aus. Wir verpassen leider diese Aussteigestelle und fahren noch etwas weiter. Zur Einstimmung laufen wir dann den ganzen Weg wieder zurück.





TAG 1: Terelj – Camp am Tereljiyn Gol 12km

Von der Aussteigestelle laufen wir Richtung Fluss und suchen eine geeignete Furt. Der Fluss spaltet sich hier in viele Arme auseinander, die unterschiedlich viel Wasser führen. Eine Brücke gibt es nicht. Was wir jedoch entdecken ist die Allradpiste und was für Autos gut ist, kann für Menschen nicht so schlecht sein.

Wir wechseln die Schuhe, damit unsere Stiefel trocken bleiben und laufen durch die ersten Flüsse. Das Wasser steigt nur unwesentlich höher als die Knie und glücklicherweise keine allzu große Strömung. Auf der anderen Seite angekommen, finden wir, ist erst mal Zeit für die erste Pause. Wir wollen schließlich nichts übertreiben. Heute führt uns der Weg über eine endlose, flache Wiesenebene. Links erheben sich die sanften Hügel, rechts fließt weiter der Fluss.

Wir lassen heute den Tag nichts allzu spät ausklingen und schlagen uns recht zeitig ins dichte Gebüsch nahe am Fluss, finden schon kurz darauf den perfekten Zeltplatz für die Nacht und beginnen Holz für ein kleines Lagerfeuer zu sammeln. Alles ist ruhig und nur von der Ferne aus machen wir ab und zu ein paar Tierlaute aus. Erst als die Dämmerung einbricht, hören wir Geknister und ein nahendes Pferd im Unterholz.

Vermutlich hat uns bei Tageslicht doch einer der Gerbesitzer erspäht, wie wir in den flussnahen Wald herein gegangen, aber nicht wieder heraus gekommen sind und schaut nun mal nach dem Rechten.

Eine Kommunikation ist schwierig, da er kein Wort Englisch und wir kein Wort Mongolisch sprechen. In Zeichensprache macht er uns aber deutlich, dass der Abend kühl wird und hilft uns beim Zünden des Lagerfeuers. Ebenso beruhigt wie wir zieht er nach ein paar Minuten wieder seines Weges.








TAG 2: Camp am Tereljiyn Gol – Camp am Baruun Bayangiyn Gol 12km 18km

Mehr oder weniger früh, die Uhr zeigt mittlerweile gut 11 Uhr an ziehen wir weiter Richtung Osten bis sich das weitläufige Tal langsam Richtung Nordosten ausdehnt. Von Norden kommt der Baruun Bayangiyn Fluss. Wir folgen weiter grob einer Allradpiste, die durch diese Ebene läuft. Die Gercamps werden langsam weniger.

Immer wieder kreuzen allerdings einige Reitergruppen unseren Weg, die das gut dafür geeignete Gelände zu ausgedehnten Galopps nutzen. Überall grasen Ziegen, Schafe und Yaks. Ein paar Kilometer weiter führt das Tal dann schnurstracks nach Norden. Links von uns zieht sich immer noch eine sanfte Hügelkette unterbrochen von ein paar Tälern, die sich Richtung Westen ziehen. Wir haben uns das zweite Tal für den nächsten Tag ausgeschaut, um nach Westen über die Bergkette zu queren. Unser heutiger Zeltplatz liegt daher nicht weit von der Einstiegsstelle des Tales entfernt. Wieder gehen wir Richtung Fluss und finden einen noch abgeschiedeneren Platz als die Nacht zuvor. Diesmal bleibt es auch am Abend ruhig.








TAG 3: Camp am Baruun Bayangiyn Gol – Camp am Ar Gorhi 16km
Der erste Tag mit schlechtem Wetter. Schon am Morgen hängen die Wolken tief und wassergeladen über uns. Wir packen eilig alles zusammen, um vielleicht noch ein paar Kilometer ohne Regen zu machen. Wir folgen dem kleinen Zufluss Shivertiyn gorhi das Tal hinauf bis der Weg verschwindet. Nun bewegen wir uns weglos einen Berg hinauf. Unser Plan laut topografischer Karte sieht vor, bis zur Spitze zu laufen, um von dort über einen Grat ein anderes Tal zu erreichen.

Das Wetter macht uns leider einen Strich durch die Rechnung. Denn es fängt an zu regnen und wird nebeliger. Fakt ist, wir erreichen keinen Grat und sehen auch kein sich anschließendes Tal. Das Einzige was wir wissen, wir müssen im Prinzip nur nach Westen gehen und somit nur den einfachsten Weg dorthin finden.

Wir steigen somit vom Berg wieder ab und passieren einen weiteren Hügel, bevor wir im eigentlichen Tal, wo wir ohnehin hin wollten landen, so zumindest unsere Vermutung.

Der Weg öffnet sich nach Westen und führt sanft bergab entlang des Ar Gorhi. Ein paar Viehhirten bestätigen unsere Vermutung. Wir sind richtig und bewegen uns wieder auf den Tereliyn gol Fluss zu. Diesmal nur nördlich vom Dorf Terelj.

Kurz nachdem wir den Fluss erreichen schlagen wir wieder unser Zelt auf.









TAG 4: Camp am Ar Gorhi – Camp auf Insel am Tereljiyn Gol 13km

Heute ist unsere grobe Marschrichtung erstmal wieder Süden bis wir das Dorf Terelj durch die Bäume blitzen sehen und die bekannte Grasebene vom ersten Tag wieder erreichen. Während des Weges haben wir beschlossen unsere geplante Wegführung etwas zu ändern und noch zum Schildkrötenfelsen zu laufen, der von hier ungefähr 1 ½ Tagesmärsche entfernt ist.

Wir gehen also einen Teil der Strecke zweimal. Da das Wetter aber heute wieder mit unglaublich blauem Himmel glänzt, nehmen wir es nicht allzu schwer.

Da man seinen Weg ebenfalls frei wählen kann, ziehen wir diesmal etwas weiter in Flussnähe durch das Wiesental. Irgendwann biegt dann eine Allradpiste noch weiter Richtung Fluss. Wir folgen dieser und nutzen den Weg wieder, um uns zu einer passenden Furt zu bringen. Wieder heißt es Schuhe ausziehen, denn wir müssen zweimal durch den Fluss, der hier so etwas wie eine große Insel bildet.

Genau hier ist es besonders schön und wir beschließen die heutige Nacht dort zu verbringen und die letzte Flussüberquerung auf den morgigen Tag zu verschieben.








TAG 5 Camp auf Insel am Tereljiyn Gol – Ger Camp 15km

Ein letztes Mal müssen wir am Morgen durch den Fluss. Das Wasser ist ziemlich kühl und weckt uns erstmal richtig auf. Sina wählt einen etwas unglücklichen Weg durch den Fluss und steht fast Hüfthoch in der Strömung. Ein wenig weiter links, wäre es nur bis zu den Knien gegangen. Auf der anderen Seite wird erstmal die Hose in der Sonne getrocknet.

Wieder eröffnet sich uns eine große Wiesenebene mit darauf grasenden Pferden und wieder folgen wir grob einer Allradpiste die zu einem Hügel und Aussichtspunkt Oliyn hotol hinaufführt.

Kurz nach diesem Aussichtspunkt wollen wir wieder weglos über die Bergkette Richtung Westen queren. Wir biegen wieder in ein Tal und erblicken den Gipfel des Most Havtgay Uul. Die Passage sieht von unten steil und schwierig aus und wir sind etwas skeptisch ob dies wirklich der geeignete Weg für eine Querung ist.

Wir bleiben jedoch vorerst bei unserem Plan und bewegen uns näher an den Berg um vielleicht noch Details auszumachen. Ein paar Nomaden fragen wir, ob dies wirklich der besagte Berg ist und wir signalisieren, dass wir dort hergehen wollen, um auf die andere Seite zu gelangen. Zuversichtlich nicken sie uns zu.

Wir interpretieren ihre Zuversicht als ein „das muss somit möglich sein“. Und nur ein bis zwei Kilometer weiter machen wir schon einen kleine Pfad aus, der anscheinend genau über die besagte Stelle führt. Von hinten nähert sich ein Reiter der seine Pferde genau diesen Pfad hochtreibt. Wir fühlen uns endgültig bestätigt und steigen bergan. Der Weg entpuppt sich als wirklich sehr schön. Von oben genießen wir noch einmal die Aussicht ins hinter uns liegende Tal und bewegen uns nun geradlinig nach Westen bis wir wieder auf der geteerten Hauptstraße landen. Eigentlich wollten wir an diesem Abend noch dort am kleinen Fluss Ovor Gorhi zelten, der führt allerdings kein Wasser. Da unsere Trinkwasservorräte auch ziemlich geschrumpft sind, beschließen wir in dieser Nacht typisch mongolisch zu wohnen und mieten uns ein Ger für uns alleine, um am nächsten Tag noch den Schildkrötenfelsen von hier aus zu besuchen.








Fazit

„Typisch Mongolisch“ direkt vor der Toren Ulan Bators, so schlicht könnte man das Fazit zusammenfassen. Wer sich nicht scheut mit Karte und Kompass los zu ziehen und seinen eigenen Weg zu suchen, wird sicherlich nicht enttäuscht. Die Vegetation und Landschaft ist sehr abwechslungsreich dort. Man kann seine Touren noch weiter über viele Tage ausdehnen. Je weiter man nördlicher zieht, desto wilder wird der Park.
Der südliche Teil entlang an der Strasse ist für Wochenendetouristen gut erschlossen und es kann dann auch mal etwas lauter werden. Dies ist der Bereich, wo alle Gercamps zu finden sind. Sobald man jedoch einmal den Fluss im Dorf Terelj überquert hat, beginnt die Ruhe und Abgeschiedenheit der Mongolei.