There are 9 million bicycles in Beijing...

Vor einigen Jahren war es noch die Eingangszeile eines Songs von Katie Melua. 9 Millionen Fahrräder in Peking sind aber mittlerweile Geschichte und durch andere motorisierte Gefährte ersetzt. Sicherlich, ein paar Drahtesel sind auch noch übrig. Vor allem aber sind heute gefühlt gut 3mal so viele der ehemaligen Besitzer der Fahrräder auf den Strassen Beijings unterwegs. Diese Stadt ist ein überfüllter, stressiger, versmogter Moloch, wo Glück bedeutet, einen freien Stehplatz in der U-Bahn zu bekommen -ein Sitzplatz ist vergleichbar mit einem fünfer im Lotto- oder einmal im Jahr blauen Himmel zu sehen. Man könnte eigentlich jedem nur raten, einen großen Bogen um diese Stadt zu machen, wären da nicht, ja wären da nicht neben den persönlichen Tiefpunkten die weltweit bekannten Höhepunkte von Peking. Allen voran die Mauer mit verschiedenen Abschnitten von hochglanzpoliert für die Imagebroschüre bei Badaling bis teilweise verfallen bei Huanghua, die verbotene Stadt, die Himmelspagode, der Olympia Park, Lamatempel, Sommerpalast, Art District 798, Platz des himmlischen Friedens und man könnte die Liste schier endlos fortführen.

Peking auf den Punkt gebracht, bedeutet riesig. Riesige Strassen, riesige Entfernungen, riesige Shoppingmalls, die sich überwiegend riesig gleichen. Das Schöne ist, wenn man aus einer U-Bahn Station an die Oberfläche fährt, weiß man immer schon, wie es dort aussieht. Mächtige Strassen oder eher Alleen, die die Kommunisten so lieben, mit ebenso mächtigen, nichts sagenden Betonklötzen. Manchmal ist einfach nur der Name unterschiedlich.

Da wir beim ersten Aufenthalt sehr viel mit bürokratischen Dingen beschäftigt waren, haben wir so gut wie nichts von Pekings Highlights erlebt. Muss man ein Mongolei Visa beschaffen, Informationen über eine mögliche Tibetreise einholen, Visagebühr bezahlen, Zugtickets



organisieren und am Abend noch was im Supermarkt einkaufen, wäre das in Deutschland mit einer munteren Reise durchs Ruhrgebiet vergleichbar, die dich gleich zwei Tage kostet, Warteschlangen inbegriffen. Ein Tag „Verbotene Stadt“ bleibt uns in der ersten Halbzeit noch übrig. Wenn man allerdings durch das riesige Gelände schlendert oder sich schiebt, sehnt man sich fast zu den Zeiten zurück, in denen die Stadt tatsächlich noch verboten war.

Für den letzten Tag vor unserer Mongoleireise, an dem wir das Glück eines etwas blauen Himmels genießen konnten und eigentlich den Ausflug zur Mauer geplant hatten, schauen wir uns morgens nur an, nicken einheitlich und beschließen: Heute können wir Peking nur im Bett ertragen. Wir hassen Peking!

Gut 3 Wochen Erholung in der Mongolei besänftigen uns und wir nehmen die Herausforderung Peking noch einmal für drei Tage an. Ein gemütlicher Sonntagnachmittag im Art District 798, Spaziergänge zum Glocken- und Trommelturm und durch die Hutongs, zu guter letzt dann unser Highlight: Der Besuch der großen Mauer, bei dem wir den Volltreffer landen. Drängeln sich nämlich die meisten Touristen über die Mauer bei Badaling oder Mutianyu, entschieden wir uns für den wenig besuchten Abschnitt bei Huang Hua. (Anreisetipp für Huang Hua) Wir teilen uns die Mauer an diesem Tag mit 6 anderen Touristen, in Worten S-E-C-H-S. Man besteigt den dort nicht ganz offiziellen Abschnitt der Mauer über eine improvisierte Stahlleiter, die die Dorfbewohner dort installiert haben, um sich 2 Yuan pro Person dazu zu verdienen. Und hier und da blitzt an diesem Tag sogar ein wenig blauer Himmel durch die versmogte Luft.



Peking hat also doch seine netten Seiten. An den letzten Tagen schließen wir Frieden und es bleibt eine Art Hassliebe für Peking übrig.

Ganz anders hingegen unser nächster Stopp: Xian. Ebenso weltbekannt für die Terrakottaarmee. Xian ist, so wie viele andere chinesische Städte, eine 4 Millionenstadt. Werden diese Art von Städten meist gesichts- und charakterlos am Reißbrett kreiert und gleichen sich bis auf ein paar Details auffallend, glänzt Xian mit einem ungewöhnlichen Charme. Xian hat ein wirkliches Herz, welches von einer Stadtmauer eingerahmt wird. Schuld daran könnte die lange Geschichte der Stadt sein, denn einst war sie das Ende der Seidenstrasse. Auch wenn das so genannte Moslemviertel etwas aufpoliert wurde, findet man überall kleine versteckte Gassen, in denen sich noch authentisches Leben abspielt. Ein wenig so, wie man sich das ursprüngliche China in der Phantasie vorstellt.

Warum nun aber ausgerechnet die Terrakottaarmee Xian zu Weltruhm verholfen hat, würde ich mit einem großen Fragezeichen versehen. Der Slogan „Wer diese Armee nicht gesehen hat, hat China nicht erlebt“ findet seine Wurzeln wohl hauptsächlich am Kassenhaus des Geländes und bei den chinesischen Imagepolierern. Wir würden immer noch das Prädikat verleihen, aber einen größeren Umweg würden wir dafür nicht in Kauf nehmen. Das diese Ausgrabungsstätte mit anderen Weltkulturhighlights wie z.B. Pyramiden oder Angkor Wat im gleichen Atemzug fällt, halte ich für übertrieben. (Marc)






Individuelle Anreise nach Huang Hua:

Vom Busbahnhof Dongzhimen in Peking (gleichnamige U-Bahnstation) nimmt man den Bus 916 nach Huairou und steigt an der Haltstelle Mingzhu Guangchang aus (ca. 1 Stunde Fahrzeit mit dem Expressbus, ca. 1 Std. 40 min. mit dem normalen Bus, beide Nr. 916 abwechselnd). Manchmal kommen Taxifahrer in den Bus und versuchen einen zu überzeugen, dass die Haltestelle eher ist. Blödsinn! Es ist Mingzhi Guangchang mitten in Hauirou (manchmal sind im Bus die Haltstellen in Pinyin ausgeschrieben). Dort ausgestiegen geht es erstmal weiter mit Taxifahrern, die einem die Fahrt zur Mauer für 100Yuan oder so anbieten wollen und einem erzählen, dass es keinen Bus gibt. Ebenfalls Blödsinn! Man geht die Strasse auf der man gekommen ist, ca 100 Meter zurück und dann die erste Strasse links ca. 200 Meter rein bis zu einer Bushaltestelle auf gleicher Seite. Dort fährt der Bus 936 nach Huanghuacheng. Versichert euch ggf. bei Leuten an der Haltestelle, ob die Haltestelle richtig ist. Wer gar kein Wort chinesisch raus bringt, sollte sich die Ortsnamen zuvor in Peking in Schriftzeichen aufschreiben lassen. Macht die Sache etwas einfacher. Der Bus 936 fährt dann ungefähr noch eine Stunde und hält mitten vor der Mauer. Man erkennt den Abschnitt schon von weitem. Die Aussteigestelle liegt nach einer Brücke und einem offensichtlichen kleinen Staudamm. Man geht über den Staudamm zu einem provisorischen Kassenhäuschen bezahlt die 2 Yuan (in Worten ZWEI) Eintritt und schon geht es über einen kleinen Serpentinenweg zur Mauer hoch, dann auf eine klapprige Aufstiegsleiter. Der erste Abschnitt ist ein wenig restauriert, weiter hinten durch beginnen Ruinen. Man hat also alles und vor allem im Vergleich zu den bekannten Orten Mutianyu und Badaling keinen Touristenvergnügungspark mit Seilbahnen etc, fast keine Menschen und im Vergleich zu 45 Yuan einen sehr geringen Eintritt. Definitiv ein Geheimtipp!