Party im Entwicklungsland

Zwischen Luang Prabang und Vientiane der Hauptstadt Laos´ liegt eine wirkliche Bilderbuchlandschaft. Die Umgebung in Vang Vieng besticht durch schroffe Karstfelsen, unzählige Höhlen, die noch heute um Neuentdeckungen in ihrer Anzahl wachsen, idyllische kleine Dörfer und üppige Vegetation. Abgerundet wird das ganze Bild noch durch einen Fluss, der gemächlich an der Kulisse im Vordergrund vorbeizieht. Mit dem Motorroller oder dem Fahrrad kann man die Hauptbühne im Hintergrund weiter erkunden. Über Schotterpisten gibt es Grotten, tiefe Höhlen und weitere kleine Bäche zu entdecken. Leider ist dieses Paradies mitten in den Tropen auch von einer Kultur entdeckt worden, die einen scheinbar idealisierten Abklatsch von Hippie Vorstellungen über die perfekte Landschaft zum Abhängen und Konsumieren benötigt. Ist es nicht ein weißer Palmenstrand, dann ist es eben das Regenwaldfleckchen mit einem Fluss und da steht Vang Vieng nun mal ganz oben. Und neben ein paar Statisten schreiben die Hauparsteller die Geschichte des Ortes weiter. In aufgeblasenen Autoreifen dem noch an sich harmlosen „Tubing“ geht es den Fluss hinunter. An den kleinen Bars im Fluss lassen sich Zwischenstopps einlegen und da kann man „nachtanken“, was das Zeug hält. Abends in der Stadt gibt man sich einfach nach Belieben den Rest.




Ist es nicht herrlich in einem solch armen Land mal die Brause zu machen und richtig auf die Kacke zu hauen? Man sollte einfach mal zeigen, was man sich so leisten kann. Was der eine nicht zu fressen hat, hat der andere eben zum Saufen. Gerne rennt man auch halbnackt und in knappesten Bikinis oder als männliches Pendant, mit Oberkörperfreikultur in zu engen Bermudas, die kurz über der Schamhaargrenze stoppen, ohne aber die drei stilvoll nach oben gekämmten Schaamhärchen zu bedecken, durch die Strassen. Männliche, kompromisslose Oberkörperfreikultur in den Strassen ist ja praktisch auch das Sinnbild vom Urlaub. Warum auch nicht? Das macht man ja zu Hause genau so. Wer kennt nicht das Bild von knappen Bikinis und freien Oberkörpern in unseren Städten? Die armen Weißen, Geld für Bier haben sie, aber ein T-Shirt können sie sich nicht leisten. Das dies die Bevölkerung nicht ganz so amüsieren mag, wie man scheinbar annimmt, sollte dem geneigten Beobachter und Interessierten an der Kultur spätestens dann auffallen, wenn man sieht, dass laotische Frauen voll bekleidet schwimmen gehen und auch die Männer in der Stadt meist mit Kleidung bedeckt sind. „Aber Scheiß doch auf deren Kultur ey, wir haben Urlaub. Die sollen sich mal nicht so anstellen“. Westlichen Individualismus und Freidenkerkultur sollte man auf jeden Fall mit der Brechstange nach guter, alter Missionarstradition ins Land einbringen. Gerne direkt mit der Tür ins Haus fallen. Warum sich denn bitte schön einfühlsam anpassen soweit es geht? Immerhin tauscht man ja auch einiges an Geld in Bierflaschen um, da können die sich ja auch mal ein bisschen anpassen. Und außerdem haben wir das doch schon alles durchexerziert und was bei uns Jahrzehnte der Entwicklung benötigt hat, dass muss hier ja nicht genau so lange dauern. Da können wir doch ein bisserl aushelfen mit schneller Aufklärung.

Immerhin will man dem Volk hier im Dritte Welt Land ja auch unsere Kultur vermitteln. Nämlich wie gut wir denn so drauf sind, besonders im Urlaub. Geile Partys, Bier ohne Ende, Feiern, ein paar Drogen einwerfen. Was man hat, gibt man eben für diesen Lebensstil aus und das will man ja auch präsentieren.



Was soll da der Durchschnittslaote auch anders von uns denken? Der hat noch nicht allzu viel von der restlichen Welt mitbekommen. Hier ist Fluss meist noch gleichbedeutend mit Mekong und nicht mit Informationsfluss und Medienwelt. Im „Weißen“ sieht man das mit Geld um sich schmeißende, sorglose, spasssuchende Feierbiest. Da kann man Geld dran verdienen und es eröffnet ganz neue Einnahmequellen. War früher traditionell in Bergstämmen das Opiumrauchen noch den Ältesten vorbehalten, erschließen sich heute mit dem Verkauf ganz andere Dimensionen. Amphetamine, Marihuana, Pilze, Opium einfach alles was das Herz begehrt, gibt es hier. Und man bekommt das Zeug auch direkt vor den Augen der Kleinen angeboten. Früh übt sich schließlich. Da kann der Nachwuchs doch direkt mit in die Fußstapfen treten und dem Vorbild des „TssssPsstTssss“ zischenden Vaters folgen, der gar nicht versteht, das man ausgerechnet gerade nix zum Einwerfen braucht. Da erfährt der Kleine von der Wurzel an gleich alle Tricks und verinnerlicht die Kausalkette. Weißer – Party – Geld –Drogen! Und das wünscht man sich doch nur. Und ist es nicht ein gutes Gefühl in die Kinderaugen zu blicken und zu wissen „Hey, kleiner Kerl, du hast wenigstens ne Zukunft“ Spitze, und das alles fängt da gerade erst mal an. Da ist sicher noch Potenzial. Und wenn man dann nach zwei-drei Tagen westlichem Individualismus pur fertig ist und wieder ins normale Leben zurück kehrt, während man die lokale Bevölkerung so mit der täglichen Versuchung wieder alleine lässt, dann nimmt man sich als INDIVIDUELLE Erinnerung noch eines der originellen T-Shirts mit. „IN THE TUBING“ VANG VIENG! Das nächste Mal wieder mit etwas mehr Strömung. In diesem Sinne. Viel Spaß bei der Full Moon Party in Laos, falls ihr da nicht schon vorher ward.

Irgendwie mussten viele Länder scheinbar ihren Ballermann eröffnen. Das ist ja grundsätzlich auch gar nicht so schlimm. Aber die Sachen sollten besser in der aufgeklärteren Welt bleiben. Man muss nicht Länder wie Laos damit belasten. Laos hat genug andere Dinge zu bieten und das sollte die Stärke in der Zukunft werden. Diese Art von Hippie-Backpackerkultur hat da nichts zu suchen. Gerade einem Land im touristischen Aufbau vermittelt so etwas falsche Werte und lässt es nicht merken, dass es damit sich selbst verkauft. Den Menschen dort ist es nicht zu verdenken. Die werden sicherlich einige Kompromisse eingehen, um Devisen ins Land zu bringen. Aber von den Touristen, die sich dort so präsentieren, würde ich etwas mehr Intelligenz verlangen. (Marc)