Weinverköstigung
Die Marlborough Region ist wohl eine der bekanntesten Weinanbaugebiete Neuseelands und genießt mittlerweile auch weltweite Reputation. Vor allem rühmt sich das Gebiet mit seinen Weltklasse Cabernet Sauvignon Weinen, die als Exportschlager gelten.
Bevor wir aber in die Weißweine ab- bzw. eintauchen, ein kurzes Wort zum ganzen Weinbau. Wenn man oft die gediegene und noble Atmosphäre einer Weinverköstigung, ob zu Hause oder auch hier vor Ort, erlebt, wer von uns hat da nicht die romantischen Vorstellungen eines Weingehöftes, was seine schaffenden Arbeiter in die Geheimnisse der Weinerstellung einweiht, im Kopf? Man hat so sein Bild im Kopf, wie man auch gerne einmal auf einem Weinfeld die Trauben pflücken möchte und den gesamten Herstellungsprozess in familiärer Art und Weise von Anfang bis Ende mitbekommt.



Die Wirklichkeit sieht leider etwas anders aus, wie wir hier und auch in Australien festgestellt haben. Auch gehört zum Weinbau nicht nur die Ernte und der Weinerstellungsprozess sondern eine ganze Reihe von Arbeiten innerhalb des Jahres. Nach der Ernte kommt erst einmal der Beschneidungsprozess, wobei die Reben von allen überflüssigen Ästen befreit werden. Danach werden alle diese Äste aus den Drahtgestängen gezogen. Die beiden Hauptzweige werden wieder um den Draht gewickelt und dort befestigt. Diese Arbeit nimmt teilweise mehr Zeit ein, als die Ernte an sich. Über das Jahr müssen dann die Drahthöhen verändert werden und viele weitere Prozesse folgen. Diese ganze Arbeit wird auf den großen Weinhöfen durch meist Vertragspartner, die ihrerseits die Arbeiter rekrutieren, erledigt. Die Winzer bekommt man dabei selten zu Gesicht. Die Arbeit gleicht eher einem Bootcamp mit entsprechend schlechter Stimmung und miesester Bezahlung. Irgendwelche „Aufseher“, die, ich möchte mal sagen, gerade in der Lage sind, eine Weintraube von einem Apfel zu unterscheiden, falten dort die Arbeiter zusammen und kontrollieren die Ergebnisse. Übrigens, wenn man Pech hat, bekommt man nicht mal sein Geld. Hier gibt es leider ziemlich viele Fälle, von einigen unseriösen „Contractors“.
Der Weinbauer an sich ist natürlich fein raus, der hat mit allem wenig zu tun und kann sich voll und ganz der Gestaltung seines überdimensionierten und meist pompös gestalteten Weingutes und des Verköstigungsraumes kümmern.



Insgesamt gibt es hier in der Marlborough Region knapp 80 unterschiedliche Winzer und knapp 60 betreiben eine so genannte „Cellar door“ mit Verkauf und Weinprobe.
Das Gute hier, die Weinprobe ist fast ausnahmslos kostenlos und niemand echauffiert sich, wenn man danach nicht drei Weinflaschen kauft. Es ist fast selbstverständlich, ohne einen Kaufabschluss die Tür wieder zu verlassen. Wie ungewöhnlich.
Hat man einen Fahrer organisiert, besteht die Möglichkeit sich einen ordentlichen Schwipps anzutrinken, ohne einen Cent auf den Tisch zu blättern.
Von den 60 „Cellar doors“ haben wir 8 aufgesucht und die Weine probiert. (nicht an einem Tag). Kommen wir zu den Fakten. Folgende Cellar Doors haben wir heimgesucht und deren Weine verköstigt. Bewusst haben wir sowohl kleine als auch große Weinhöfe besucht, um die Unterschiede heraus zu schmecken. Und ja, tatsächlich es gibt starke Unterschiede. Und die Größten sind bekanntlich nicht immer die Besten, auch hier kommt es scheinbar auf die Technik an, munkelt man.



Diese Weingüter können sich an unseren Besuch erinnern. (Nutzt die Links für weitere Infos) :

                                                         

                                           Montana
                                          Highfield
                                         Wither Hills
                                         Villa Maria
                                         Framingham
                                            Huia
                                            Mahi


Sauvignon Blanc, Pinot Gris, Gewürztraminer, Riesling, Chardonnay und Pinot Noir sind die Weinsorten, die man am häufigsten antrifft. Und sie halten dem internationalen Vergleich durchaus stand, wie wir als Nicht-Weißweinkenner mutmaßen. Mein Favorit war neben dem Riesling der Gewürztraminer mit einem sanften Abgang und der Zunge benetzenden Aprikosen- und besonders Rosenaromen im Nachgang. Aber auch der Cabernet Sauvignon mit Aromen der Johannisbeere und Stachelbeere mit darunter liegenden Noten von schwarzer Olive, ist nicht von schlechten Eltern. Die Palette zeigt eine reiche Konzentration an puren Marlborough Sauvignon Blanc Characteren. Die frische Paprika Note wird durch eine ölige Textur, Mineralreichtum und durch eine erfrischende Säure zusammengehalten, wie ich finde. Da ist man doch schon fast gleich mit satt. Sina war immer noch den Rotweinen angetan, die zugegebenermaßen auch nicht ganz schlecht sind. Also wer in diese Region kommt, sollte sich eine ausgiebige Weinprobe nicht entgehen lassen und die Winzer mal fragen, was sie denn denken, warum sie im europäischen Markt Fuß fassen können, bei dem Wettbewerb dort. Heißt auf Deutsch, welchen Vorteil haben eigentlich die neuseeländischen Weine? Lustigerweise wissen die das selber nicht genau. Also einfach trinken, am Besten den kleinen Finger vom Glas abspreizen und getreu dem Motto „Finger weg vom Alkohol“ die edle Flüssigkeit die Kehle herunter fließen lassen. Währenddessen Augen schließen, Geschmack wirken lassen, noch mal am Glas riechen und mit kurzer, andächtiger Verzögerung dem Gegenüber oder einem anderen Gast in Zeitlupe ein anerkennendes Nicken mit leichtem Schmollmund zu werfen und fragen „Und, was meinst du? Unglaubliches Aromenspiel, oder?“ Das macht wirklich mächtig Eindruck. Zu guter letzt um Nachschlag bitten. Prost!!! (Marc)