Ein Märchen vom Märchen


Es waren einmal Zwei, die wollten auf große Reise gehen. Einmal um die ganze Welt und wieder zurück. Die Freunde und Arbeitskollegen waren teils verzückt, teils voll Furcht. „Vergesst uns nicht“ war ihre größte Sorge. Die beiden Weltenbummler in spe freuten sich über die reiche Anteilnahme an ihrem Vorhaben und versuchten vor Abreise noch mit allen ihren Lieben soviel Zeit wie möglich zu verbringen. Sie trafen sich mit dem ganzen Freundeskreis von ihr, mit dem sie fast ein Jahrzehnt ihrer Zeit verbracht hatte. Und auch die Arbeitskollegen ihrerseits, hielten sich selten mit Wehmutsphrasen zurück. Und für einen kurzen Moment hatten sie schon Angst, der ehrlichen Zuneigung und dem ungeheucheltem Interesse nicht gerecht werden zu können. So schien es jedenfalls…

…doch es nahte der Tag an dem die große Reise beginnen sollte. Zum Abschied versammelte sich der engste Kreis der Vertrauten noch einmal am Bahnhof, einige gaben im Vorfeld zu, nicht gut im Abschiednehmen zu sein und blieben aus Angst vor Tränen daheim. Das Alles ließ die beiden Reisenden nicht kalt und so verließen sie teils schweren Herzens ihr Heimatnest. Die ersten Tage und Wochen in dem neuen Leben verstrichen und schon die ersten Emails folgten den Beiden. Doch es waren selten die Adressaten, die zuvor am lautesten den Trennungsschmerz verkündeten. Die Reisenden schrieben elektronische Post an alle, deren Adresse sie hatten, sie pflegten ihr homepagiges Kämmerlein im Reich des worldwidewebs, damit ein jeder, der wollte, Anteil haben konnte. Ja, sie überbrückte die Distanz sogar mit einem neumodischen Fernsprechgerät um einmal die Stimme der alten Kollegen zu vernehmen, doch es wurde ruhiger am anderen Ende… Die Angst derjenigen, sie würden wohl vergessen werden, schien am Ende nicht die erste Dämmerung überlebt zu haben.

Doch ein Gutes hatte das Ganze für die Zwei. Sie lernten aus der Ferne, wer in ihrer Vergangenheit eigentlich zu den Guten und wer zu den „Bösen“ gehörte. Freuen taten sie sich über diejenigen, die teils sehr überraschend immer noch regelmäßig an sie dachten und plötzlich einen engeren Kontakt aufleben ließen, als zuvor. Während sie in anderen Momenten doch traurig waren, dass es „Freunde“ gab, die es in 8 Monaten weder geschafft hatten eine Mail zu schreiben (auch nicht an Geburtstagen) oder auch nur mal in das Kämmerlein zu schauen. Sogar ein paar derer, mit denen sie sich mehrfach die Woche körperlich ertüchtigten, waren ein paar Minuten investierte Zeit zu viel Aufwand. Doch vielleicht bedarf es der Entschuldigung dererlei zwei Tingeler, weil sie ihr Kämmerlein nicht in World of Warcraft errichtet haben. Man weiß es nicht genau.

Aber die beiden Reisenden möchten für das letzte Jahr Danke sagen, allen voran ihren Familien und all denen, die hin und wieder an sie denken und es auch mit einem Gruße durch die Kabel dieser Welt deutlich machen und so die Chance lassen, an ihrem Leben in der Heimat teilzuhaben. Allen, die von ihren Urlaubs-, Hochzeits- und Umzugsplänen erzählen, von Problemen oder auch einfach nur mit Klatsch und Tratsch daher kommen, die ein paar aufmunternde Worte übrig haben oder auch mal etwas Kritik – halt das was man in zwischenmenschlichen Beziehungen so erzählt. Denn die beiden Weltenbummler haben sich zwar für einen anderen Weg entschieden, aber nicht ihre Ideale und die Daheimgebliebenen vergessen, auch wenn sie wissen, dass deren Leben genauso weitergeht wie das Ihrige. Und sie hoffen auch weiterhin mit den nun Verbliebenen in Kontakt zu bleiben.

Und an alle Anderen, die sich angesprochen fühlen (denen es aber wohl nur durchs Hören-Sagen kundgetan wird): Schade- oder auch irgendwie nicht!

Die beiden Reisenden wünschen allen ein gutes, gesundes, erlebnisreiches, neues Jahr 2009 und sind selbst gespannt, was sie im kommenden Jahr erleben werden.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann reisen sie noch weiter und haben ne Menge Spaß dabei… (Sina)