Der Sultan zieht weiter, die Karawane hat Durst
Denkt man an Länder mit reichen Erdölvorkommen, verbindet man damit prompt zwei Dinge. Starkes, notfalls auch kriegerisches Interesse der USA und sichtbaren Reichtum in Hülle und Fülle. Beides trifft auf das Sultanat Brunei wohl eher nicht direkt zu und wer architektonische Superlative a la Dubai erwartet, ist hier auf dem falschen Dampfer. Reich sind da schon einige Leute, unbestritten, an vorderster Front der Sultan. Aber irgendwie scheint sich das eher im privaten Täschchen, als im Stadtbild bemerkbar zu machen.
In unseren Vorstellungen glänzte die Hauptstadt Bandar Seri Begawan nur so vor Pracht und ein prunkvolles Hotel und Einkaufszentrum reihte sich ans nächste. Ernüchterung überkommt uns aber schnell, als wir aus dem Bus steigen. Wir suchen erst mal ein Hotel und stellen fest, dass wir für einen schlechteren Standard als in Malaysia leider das doppelte an Geld hinblättern müssen.
Die Stadt selbst hat das gewisse Nichts. Ein wenig mehr Mühe hätte man sich da durchaus geben können, finden wir. Zugegebener Maßen bilden die beiden Hauptmoscheen eine wirklich Ausnahme, blendet man kurz das direkte Umland aus. Der Glanz der Sultan Omar Ali Saifuddien Moschee wirft ihren Schatten direkt in die ersten Stelzendörfer am Ufer. Hier türmt sich der Müll im Wasser und die Leute leben in teilweise ziemlich herunter gekommenen Holzhütten



Die Moscheen, zwei Bauwerke der Extraklasse sind im Namen Allahs errichtet. Da wurde nicht wirklich gespart. Wir besichtigen beide Moscheen, dürfen in den Innenräumen allerdings nur einen bestimmten abgesperrten Bereich und auf keinen Fall die Gebetsteppiche betreten. Kann man sich in etwa vorstellen, was für ein Reiz einen überkommt, wenigstens kurz auf einen der Teppiche zu treten und zu schreien „Bätsch, und jetzt?“. Aus Ehrfurcht vor dem wachenden Auge über uns, der Überwachungskamera, lassen wir das aber. Schließlich haben wir keine Lust auf irgendwelche Rohrstockschläge, die als Strafe darauf wahrscheinlich stehen. Die Scharia lässt grüßen.



Der Herr Sultan hat sich persönlich ebenfalls nicht sonderlich eingeschränkt. Sein Palast hat gleich mehrere hundert Räume und zu seinem x-ten Geburtstag hat er sich einen Freizeitpark gegönnt. Allerdings hat er sich keinen Affen namens Bubbles gehalten und es ist uns auch nicht gelungen, Diamanthandschuhe in seinem Besitz nach zu weisen. Seit 2000 kostet der Park übrigens für die Bevölkerung Eintritt, vorher war er noch frei. Auch ist feinfühlig zu bemerken, dass im Erdöl wohl einiges an Geld steckt, wenn man den Skandal um des Sultans Bruder Anfang 2000 Revue passieren läßt. Hier ist raus gekommen, dass der gute Mann kurz 4 Milliarden für sich selbst ausgegeben hat. Das Geld stand ihm nicht unbedingt rechtmäßig zu, je nachdem wie man es interpretiert, er wird das anders sehen. Jetzt fragt man sich, wie kann man bitte schön 4 Milliarden ausgeben? Mit jeder Menge Autos, Hotels, Privatjets und den berüchtigten goldenen Scheißhausdeckeln schafft man das schon irgendwie.



Was man in Brunei übrigens auch nicht direkt erwartet, ist eine große Nasenaffenkolonie, die mit dem Boot zu erreichen ist. Drauf gekommen sind wir durch ein Infocenter, was uns die Tour für gut 70 Euro anbieten will. Am Abend vor der Moschee treffen wir dann noch einen freundlichen Brunesen oder Bruneianer (wie heißen die eigentlich auf Deutsch), der uns die gleiche Tour so zu sagen als „Traveller-unter-sich-Hilfestellung“ für 25 Euro anbietet. Am nächsten Tag fragen wir einen der Bootsmänner direkt und man glaubt es kaum, er macht die Tour gleich für 15 Euro. Das liegt nicht an einer starken Deflation über Nacht, sondern eher an dem Grundsatz „Traue niemanden, der dir von alleine was anbietet“.
Wir sehen den Sultanspalast noch einmal fast aus der Nähe, können vom Boot aus die kamerascheuen Nasenaffen beobachten und machen zum Abschluss noch eine Rundfahrt durch das auf dem Wasser liegende große Stelzendorf Kampung Ayer, welches fast ein wenig an Venedig erinnert.
Die Bevölkerung Bruneis muss man zum Abschluss sagen, genießt allerdings auch einiges an Extras, was fehlende Einkommenssteuer, Krankenvorsorge etc. angeht, d.h. der Reichtum des Landes fließt schon teilweise zurück zur Bevölkerung. Dafür sind die Bruneoten auch scheinbar so dankbar, dass sie überall ganz freiwillig ein Bild des Sultans aufhängen. (Marc)