Costa Rica oder ein bisschen zu viel Regen vielleicht
Bei Regen kommen wir am späten Abend an. Allerdings müssen wir ehrlicherweise zugeben, dass genau zu diesem Zeitpunkt einer eintretenden Reisemüdigkeit, der Regen auch manchmal eine willkommene Ausrede ist, nicht am nächsten Tag den nächsten Bus zu besteigen. Er nimmt uns sozusagen den psychischen Druck, den wir haben, immer alles unbedingt sehen zu müssen, weil wir gerade an einem Ort sind, an dem man unbedingt alles sehen muss. Wir gönnen uns zu selten diesen „heute bleibe ich auf der Couch liegen“-Tag, den wir zu Hause so einfach einschieben können, weil wir dort eben so gut wie alles kennen.



Jetzt steigen wir also bei strömendem Regen in Playas del Coco aus und suchen erst einmal eine Unterkunft. Verflucht teuer scheint Costa Rica zu sein. „Gallo Negro“ das typische Bohnen mit Reis-Gericht könnte ich mir im heimischen ALDI ungefähr für ein fünftel des Preises zusammenstellen. Eine Unterkunft unter 20 US$: Fehlanzeige. Wir steigen im schäbbigsten Zimmer vom Ort, ich könnte fast behaupten, der Reise ab. Zuerst hörte er sich ganz gut an, allerdings vergaß der Besitzer dann doch die Rattenlöcher, eine total versiffte Dusche und den sich von selbst bewegenden Kühlschrankinhalt zu erwähnen. Am nächsten Morgen, es regnet natürlich mal wieder, erledigt sich das Problem von alleine. Langsam aber sicher läuft das Haus voll Wasser und wir bekommen ein Upgrade wegen Überflutung und ziehen in den ersten Stock.



Playas del Coco ist einer der ersten Touristenorte Costa Ricas. Warum wissen wir nicht so genau. Das Tauchen soll ganz gut sein, aber das bekommen wir nicht mit. Sichtweiten unter Wasser liegen bei 5 Metern und die meisten Tauchschulen fahren erst gar nicht raus. Die nächsten Tage pendeln wir zwischen Terrasse, wo wir dem Regen zuschauen und Supermarkt, wo wir das Free WIFI nutzen. Irgendwann haben wir einfach die Schnauze voll, weil uns vor Langeweile nix anderes mehr einfällt und buchen für den nächsten Tag einen Bus zum Monteverde Nationalpark. Genauer in das kleine Dorf Santa Elena.



Nach mehrmaligem Umsteigen und vielen Stunden Busfahrt erreichen wir am Abend das Dorf in den Bergen. Die Luft ist angenehm frisch und es hat sogar mal für 5 Minuten aufgehört zu regnen. Wir erwischen eine sehr nette Unterkunft und machen noch einen kurzen Ausflug durchs Dorf. Der Monteverde Nationalpark beherbergt eine der wenigen tropischen Nebelwälder Mittelamerikas und ist besonders bekannt für eine variantenreiche Vogelwelt. Aber auch sonst bietet er aus Sicht des "Wildlifes" einiges. Schlangen, Taranteln, Faultiere und was der Nebelwald sonst noch so beherbergt. Auf unterschiedlichen Touren haben wir trotz anhaltenden Regens Glück ein paar Tiere zu Gesicht zu bekommen. So werfen wir neben einem Blick auf faul in den Baumkronen hängende Faultieren, auch Blicke auf die farbenfrohen Schnäbel der Tukane, aggressive Taranteln in ihren Löchern, still verharrende Stabheuschrecken oder auf Beute lauernde neongrüne Vipern. Für Natur- und Tierliebhaber ist Monteverde eine wahre Schatzkammer, auch wenn man sich auf etwas Regen einstellen muss.



Jeden Tag begleitet uns die Wettervorhersage, die wir ständig im Auge halten und danach unsere Entscheidung für die nächste Destination richten. Tortuguero lautet unsere Entscheidung. Auch unter dem Begriff der kleine Amazonas bekannt, ist Tortuguero von Cariari oder besseer gesagt La Pavona dem Bootsanleger, auch nur mit dem selbigen zu erreichen. Tortuguero ist bekannt für, vielleicht kann es der ein oder andere vom Wortnamen schon ableiten, Meeresschildkröten. Nicht unbedingt unter Wasser, dafür aber zur Eiablage. Diese Saison ist nun vorbei, aber wir wollen aus anderem Grunde dorthin. Das Schlüpfen der Schildkröten steht nämlich jetzt an. Die Umgebung hier oben an der Karibikküste ist zugegebenermaßen idyllisch, sehr idyllisch. Leider verpassen wir den letzten Anschlussbus am späten Nachmittag in Cariari und bleiben in dieser etwas eigenartigen Stadt hängen. Aus Mangel an preiswerten Hotels entscheiden wir uns für eine preiswerte Alternative. Sie ist passabel sauber und macht auch einen ruhigen Eindruck. Die Zimmerpreise allerdings zahlt man stundenweise. Die Nacht bleibt erstaunlich still, kein Hämmern, kein Gestöhne, wir sind die einzigen Kunden an diesem Tag.



Am Morgen geht es dann endlich auf das Boot in den kleinen Amazonas. Und die Bezeichnung hält ihr Versprechen. Tortuguero ist wirklich ein kleines Paradies. Auf einer Wildlife Tour mit einen geschulten Guide entdecken wir Tucane, Brüllaffen, Klammeraffen, Kaimane, Aras und jede Menge andere Vögel. Und am Strand abends machen wir uns auf die Suche nach den kleinen Schlüpflingen und werden fündig. Am ersten Abend erreiche ich gerade noch mit einem Sprint die letzten Schildkröten, die ins Wasser purzeln und habe Sinas Neid völlig auf meiner Seite, weil ich einfach schneller laufen kann. Aber auch ihre Geduld wird an den folgenden Abenden belohnt. Zum gebührenden Abschluss Costa Ricas wollen wir noch einmal tauchen und entscheiden uns für Puerto Viejo, das in unmittelbarer Nähe zur Grenze Panamas liegt. Wir suchen eine Tauchschule auf, die in typischem "alles easy, alles cool"-Gehabe von den sensationellen Tauchpätzen erzählt und dem, was man so alles an Kleingetier dort sehen kann.



Schon am nächsten Tag sind wir auf dem Meer und 18 Meter tiefer, als wir uns zu fragen beginnen, wo denn wohl der Tauchplatz sei. 45 Minuten paddeln wir mit einem unmotivierten Tauchguide um den Felsblock und freuen uns über jeden Fisch, den wir überhaupt erspähen. Wir denken schon, dass man den Spot in der Rangliste der uninteressantesten Tauchplätze nicht mehr überbieten kann, als wir den zweiten ansteuern. Manchmal ist das Unmögliche möglich. Langsam wird uns klar, warum der Guide unmotiviert ist. Manchmal kann ein Bürojob auch interessanter sein, als die Arbeit als Tauchguide, wie in diesem Fall. Puerto Viejo ist insgesamt aber ganz nett. Wir lernen bei einem Ausflug auf eine Farm noch einmal ein breites Spektrum an tropischen Früchten kennen und verabschieden uns dann in Richtung Panama, unserer vorerst letzten Station auf dieser Reise. Costa Rica konnte sicherlich mit ein paar Highlights aufwarten, das Wetter hat uns hier leider übel mitgespielt und so richtig konnte uns das Land letztlich nicht überzeugen. Vielleicht waren auch die Erwartungen zu hoch oder im Vergleich zu anderen Reisenden, die von der mittelamerikanischen Schweiz schwärmen, zu unterschiedlich. (Marc)




Reiseinformation Costa Rica