Zu Fuß nach Hongkong

Aus der Konservendose des Nachtbusses wieder ins Freie gelassen, stehen wir morgens mitten in Shenzhen an einem riesigen Busbahnhof. Mit Händen und Füßen und Marcs Chinesischbrocken finden wir die Stadtlinie 7, die uns zur Grenze fährt für nur schlappe 2 Yuan pro Person. Endlose Schilder weisen uns von dort den Weg zu unserem Ziel: Hongkong wir kommen. Obwohl es seit Juli 1997 wieder zu China gehört, müssen wir erst einmal offiziell aus dem Land ausreisen und unser 30 Dollar Visum verliert schon nach gerade mal einer guten Woche Aufenthalt im Süden seine Gültigkeit – ein Hoch auf die Sonderverwaltungszonen, die einem viel Kontakt mit den Regierungsbüros auf unserem Weg einbringen.

Wir betraten das Gebäude auf chinesischer Seite und nach etwas Hoch und Runter und Hin und Her verlassen wir es in Hongkong. Eine Zugfahrt quer durch die New Territories später, stehen wir mitten in Whampoa vor der Tür unserer Gastgeberin. Zum vierten Mal auf unserer Reise nutzen wir Couchsurfen und schon wieder einmal haben wir einen Haupttreffer gelandet. In ihrer 20 qm Meter Wohnung, die sich Wins mit ihrem Mitbewohner teilt, schafft sie noch Platz für Marc und mich und unsere gewaltige Ladung an Gepäck. In unseren 5 Tagen in der Metropole bekommen wir von ihr in jeder freien Minute besondere Ecken der Stadt gezeigt, die wir alleine niemals entdeckt hätten. Vor allem bekommen wir alle kulinarischen, traditionellen Köstlichkeiten in den kleinen Hongkonger Stadtteilrestaurants serviert, die wir ohne ihre Hilfe weder gefunden, noch hätten bestellen können.



Als Marc mir erzählte, das Wahrzeichen Hongkongs wäre seine Skyline wollte ich das nicht gelten lassen. „Ein Wahrzeichen darf nicht aus vielen Einzelkomponenten bestehen.“ Doch diese Regel wurde ohne Hongkong gemacht. Von Kowloon Seite blickt man auf die endlosen Hochhäuser von Hongkong Island, bei Nacht gibt es sogar noch eine Musik unterstützte Lasershow, bei der fast jedes Gebäude einen Teil der „Choreografie“ übernimmt. „Die Skyline ist ein Gesamtkonzept und Gesamtkonzepte dürfen offiziell als Wahrzeichen herhalten.“ Neue Regel – Genehmigung erteilt! Wir werden süchtig, dass Wahrzeichen aus allen Winkeln zu begutachten. Von Kowloon, von der Fähre, mitten durch laufen, vom Bank of China Tower… aber am allerbesten macht sich das Ganze von Hinten. Am zweiten Abend fahren wir mit dem Bus zum „Peak“, einem der Berge von der Insel. Dort haben Investoren auch schon das Potenzial erkannt und eine riesige kostenpflichtige Plattform gebaut, um das Panorama zu bewundern. Wir finden jedoch noch einen spektakulären, fast einsamen „für Umme“ Platz und genießen das Schauspiel der Lichtershow noch einmal von „oben hinten“. Mein persönliches Highlight der Stadt.



Ansonsten verbringen wir endlose Stunden mit dem Auf und Ablaufen auf der Nathan Road; genießen den Luxus der längsten Outdoor-Rolltreppen der Welt, die uns ohne Anstrengungen nach Soho befördern; kühlen uns die ersten Tage in den klimatisierten Einkaufszentren und fliehen in ebensolche am Letzten als die Taifun-Warnung „Rot“ ausgerufen wird und die Stadt in einem dichten Regensturm versinkt. Das Einzige, was enttäuscht, sind die Märkte, die voll einheitlichem Kitsch in Langeweile versinken.

Noch ein kleiner Tipp: Falls euch irgendwann ein Hongkonger in ein Dim Sum Lokal einlädt und euch fragt welchen Tee ihr den gerne dazu hättet, fragt niemals nach Kaffee oder es könnte in einem allgemeinen Gelächter enden. Sorry Wins :-) Fazit unseres Aufenthaltes: fünf Spitzentage und eine neue Freundschaft – nicht so schlecht. (Sina)