Sein oder nicht sein


„Sein oder nicht sein“ ist die entscheidende Frage für uns beim Thema El Salvador. Es ist nicht unbedingt alles gut, was man über El Salvador hört, aber da wir ja schon mal in der Nähe sind, wollen wir uns unser eigenes Bild über das Land machen und steuern in Richtung Suchitoto an einem Samstag. Die kleine Kolonialstadt, wunderschön gelegen an einem Bergsee, hat uns sofort begeistert. Es ist ein beliebtes Ausflugziel für El Salvadorianische Kurzurlauber, somit ist hier gerade am Wochenende schwer was los. Überall Musik, Kapellen, Marktstände, Essensbuden, dazu noch Kaiserwetter – so konnte für uns das Reisen weitergehen. Selbst die Polizei scheint hier an Freundlichkeit noch einmal eine Schüppe draufgelegt zu haben und wir erhalten nicht nur eine freie Taxifahrt vom Seeufer zurück in die Stadt, sondern auch noch aus Sicherheitsgründe eine bewaffnete Polizeieskorte für unseren persönlichen 2-Mann-Vormittagsausflug zu den in den Nahe liegenden Wasserfällen – und das alles für Umme mit einem Lächeln. El Salvador zeigt sich von seiner schönsten Seite und die „Sein“ -Frage ist unseren Gedanken entflogen.










Doch wie so oft im Leben bedauern wir, dass die Wochenenden auch mal wieder vorbei gehen müssen und diese Tatsache ändert unseren El Salvadorianischen Eindruck völlig. Es wir ruhig auf den Straßen, wir verlassen Suchitoto und brechen auf in das Surferparadies El Tunco an der Küste. Doch leider ist hier die Atmosphäre in der Hängematte des Hostels, das einzige Entspannte, was uns erwartet. Ansonsten wirkt der Strand wenig einladend und der Ort abweisend vermauert, wir werden nicht so richtig warm mit der Umgebung und machen uns in drei Bussen und einer 6 Stunden Fahrt mit den irrsten Menschen und den nettesten „Busmännchen“ unserer Reise auf, in das noch nicht einmal 100 Kilometer weiter liegende Ataco auf El Salvadors Vorzeigetouristenstück „Ruta de las Flores“ (Der Route der Blumen).








Laut Reiseführer sollen uns hier atemberaubende, kleine Kolonialstädchen empfangen in Mitten eines Blumenmeeres, umhüllt von den feinsten kulinarischen Düften. Doch die Realität könnte für uns kaum weiter entfernt liegen. Ataco liegt am Ende der Route und wir durchfahren vorab schon die anderen „Traumörtchen“, die mehr einer schmuddeligen Baustelle als einem Bergparadies ähneln. Wir freuen uns, dass wir uns für das wenigstens bunt bemalte Ataco entschieden haben, doch das Wetter ist grau und unfreundlich, der Regen beginnt als wir den ersten Fuß aus dem Bus setzen und es ist fast unmöglich eine Unterkunft an einem Mittwoch zu finden, da der Ort innerhalb der Woche fast ausgestorben ist und die meisten Pensionen nur zum Wochenende öffnen. Regen und der Mangel an Angeboten in der Umgebung sperren uns für die nächsten zwei Tage ins Zimmer. Wir ernähren uns, abgesehen von der abendlichen Popusa am Straßenstand (El Salvadorianische Teigtasche) ausschließlich von Keksen, da es in der „Geisterstadt“ auch keine geöffneten Restaurants gibt. Das anfängliche Feuer, das Suchitoto geweckt hatte, wird bitter gelöscht und so langsam erwacht wieder die Frage in unseren Köpfen: „Sein der nicht sein?“ Wir diskutieren unsere Pro und Kontraliste und finden ein „Vielleicht gibt es ein zweites Suchitoto irgendwo da draußen“ im Wettstreit mit vielen, wirklich endlos vielen Kontras. Wir entscheiden uns schweren Herzens für etwas, was wir in über drei Jahren Reisen nie in ernsthafte Erwägung gezogen haben, wir brechen El Salvador ab und machen uns in einer zwei Tages Tour auf nach Nicaragua und hoffen, dass sich dort nicht einmal die Frage stellt: „Sein der nicht sein?“ (Sina)









Reiseinformation El Salvador